Review

Max Payne 3

Plattformen: X-Box 360/PlayStation 3/PC | Entwickler: Rockstar Games | USK: ab 18

Das Leben ist hart. Dem würde Max Payne sicherlich zustimmen, der seit Jahren mit dem Verlust seiner Lieben zu kämpfen hat. Rockstar Games haben den inzwischen gealterten Anti-Helden noch einmal kurz vor der Rente ins Getümmel der Videospiel-Landschaft zurückgeholt. In unserem Review berichten wir über den Mann, der selbst nach einer Flasche Whiskey noch besser zielt, als jeder Scharfschütze.

Raus aus dem Trott

Einige Jahre sind vergangen und der alte Max hängt nur noch an der Flasche, doch er sieht selbst ein, dass er einen Neubeginn braucht. So kommt es, dass es ihn nach Brasilien zieht, wo er über einen alten Bekannten als Bodyguard von einer reichen Familie angeheuert wird. Dort warten dann natürlich einige Überraschungen auf ihn und seine zielsichere Hand ist wieder gefragt...

Präsentiert wird alles in recht runden Zwischensequenzen, die meist mit einem Filtereffekt und Flackern versehen wurden, die dramaturgisch das Leiden von Max Payne visualisiert und auch je nachdem unterschiedlich stark ausfällt. Meines Erachtens kann sich das als etwas nervig herausstellen, so richtig schön empfinde ich den Effekt nicht, der die sonst ja gut inszenierten Sequenzen etwas schmälert. Ach ja, es werden auch oft Stichpunkte noch mal in Textform eingeblendet, was für mich jetzt auch nicht so den Mehrwert hat.

Knallharte Shoot-Outs

Die Bullet-Time hat Max Payne damals im Jahr 2001 eingeführt und diese spielt nach wie vor eine große Rolle. Mit der Zeitverlangsamung meistert Ihr auch kritische Situationen und trefft sogar aus einem Hechtsprung heraus präzise, wofür die menschliche Reaktionszeit im echten Leben kaum ausreichen würde. Den letzten Gegner könnt Ihr sogar mit einem Zeitlupenschuss noch intensiver töten, wenn ihr X gedrückt haltet. Ergänzt wurde die Mechanik mit einem Deckungssystem, wie man es mittlerweile auch schon aus anderen Third-Person-Shootern kennt. Nur beim automatischen Regenerieren von Lebensenergie sind sie nicht mitgezogen: Weiterhin muss man seine "Painkiller" gut dosieren und den ausgelaugten Max mit Lebensenergie versorgen. Eine nette Idee ist ein kleines Rettungsmanöver, wenn man noch ein Schmerzmittel hat und dem Spieler erlaubt, einen fatalen Schuss umzukehren.

Rockstar Games haben ihre Engine jedenfalls gut weiterentwickelt und zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten helfen Euch dabei, das Spiel auch gut auf Eure Fähigkeiten anzupassen und das nicht nur mit dem Schwierigkeitsgrad, welche schon auf "Mittel" erfahrende Shooter-Spieler manchmal ins Schwitzen bringt.

Wem es in Uncharted schon zuviel an Schießereien war, den wird das wahrscheinlich weniger freuen, dass in Max Payne die spektakulären und intensiven Shoot Outs noch mehr Raum einnehmen. Im Prinzip hangelt man sich von einer Cut-Szene in die andere und ist nur mit Schießereien beschäftigt, welche nur minimal variieren, wie z.B. mit einer Scharfschützen-Passage oder einem Flug im Helikopter oder einer Fahrt im Schnellboot. Wer die Vielfalt an Aufgaben und Offenheit eines Red Dead Redemption oder GTA erwartet, weil Rockstar Games draufsteht, der wird da vielleicht etwas irritiert sein. Max Payne 3 folgt viel mehr einem cineastischen, linearen Faden und stellt vornehmlich Euer Talent in Feuergefechten auf die Probe. Die Indiziensuche bestimmen als einziges Nebeninstrument das Gameplay nur minimal.

Multiplayer

Rockstar hat seit Beginn der „neuen“ Konsolen- Generation den Hang dazu, jedes ihrer Spiele mit einem Mulitplayer-Modus zu versehen. Grand Theft Auto 4 oder Red Dead Redemption haben dies bereits vorgemacht. So ist es nun auch mit Max Payne 3 geschehen und wo die anderen Blockbuster von den "Rockern" mich bisher nicht lange an den Mehrspieler-Part fesseln konnten, haben sie dies mit Max Payne 3 geschafft.

Bei acht verschiedenen Spielvarianten hat man eine schöne Anzahl, um seinen persönlichen Liebling herauszusuchen. Darunter befinden sich, durch andere Spiele bereits bekannte, Modi wie bspw. „Deathmatch“ oder „Team Deathmatch“, bei denen man noch dazu wählen kann, ob man mit 8 oder mit bis zu 16 Gegnern auf einer Karte spielen möchte. Im Modus „Gang Wars“ setzt sich durch Zufall eine Reihe an Missionen zusammen, die Ihr gemeinsam mit Eurem Team lösen müsst. Elf Missionen gibt es dabei insgesamt. Diese reichen vom normalen „Team Deatmatch“ bis hin zu nervenaufreibenden Fluchtmissionen, in denen Ihr mit Eurem Team entkommen müsst, bevor Euch die gegnerische Crew den Garaus macht. Das alles mündet dann am Ende in einem großen Bandenkrieg, in dem entschieden wird, wer die Herrschaft über die Straße erhält.

Richtig viel Spaß hatte ich aber mit dem Modus „Payne Killer“: Hier beginnt die Runde wie in einem ganz normalen „Death Match“, doch sobald jemand dem ersten Feind die Lichter ausgeknipst hat, wird der siegreiche Schütze zu Max Payne höchstpersönlich. Dieser darf, bewaffnet mit zwei Maschinenpistolen und dem dazugehörigen Schmerzmittel, den Leuten gehörig den Marsch blasen und das sogar in Zeitlupe! Denn wer den Herren Payne kontrolliert, erhält gleichzeitig auch die Macht über die Zeit, so lange bis er selbst eben diese segnet. Derjenige, der dann dem lieben Max die meiste Energie geraubt hat, schlüpft in dessen Haut und darf ebenfalls die Sau raus lassen.

Alles in allem sind die Modi sehr stimmig und können kaum bemängelt werden, bis auf eine kleine Ausnahme: Die Einstiegsplätze für die verschiedenen Modi sind teilweise unglücklich gewählt und so kann es auch vorkommen, dass man direkt beim Wiedereinstieg hinterrücks erschossen wird. Das kann ärgern, aber mindert den Spielspaß durch das rasante Tempo des Multiplayers kaum. Abgerundet wird das Ganze am Ende noch durch die spielbaren Charaktere und Waffen: Beides lassen sich nach Belieben verändern und erweitern, um sich eine maßgeschneiderte Spielfigur zu schaffen. Ganz in Call of Duty- oder Battlefield-Manier erhält man für jeden erledigten Gegner Erfahrungspunkte, durch die man wiederum Ränge aufsteigt und Waffen sowie Ausrüstung freischalten kann. Max Paynes Mehrspielerscharmützel motivieren und machen auch nach etlichen Stunden noch immer Spaß.

Piet

Fazit

Stoff für knallharte Männer oder für die, die es gerne mal spielen wollen. Whiskey trinken, rauchen, Kugeln in unzählige Terroristen versenken, zierliche Frauen, die beschützt werden müssen und ein Filmschnitt, wie man ihn aus rauen Männerfilmen von bpsw. Guy Ritchie kennt. Rockstar haben die Punkte, die Max Payne damals ausgemacht haben, weiter ausgebaut und liefern ein sehr ausgearbeitetes, brutales Shoot-Out, welches viel Ausdauer benötigt und für Trophäen-Jäger ziemlich anspruchsvoll ausfällt. Ich denke, Fans der Serie und Blockbuster-Freunde, die sich hier auf ein starkes Action-Paket freuen und weniger auf ein tief gehendes Drama, kommen auf ihre Kosten und können eigentlich zugreifen, wenn sie es denn nicht schon längst getan haben.

Wertung: 8.3

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Rockstar Games für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Alle Rechte vorbehalten.
Die Copyrights von Ton- und Bildmaterial liegen bei den jeweiligen Verleihern, Verlagen, Labels, Studios und Künstlern.