Kolumne

Diablo 3? Ist doch Schnee von gestern!

Wieso Benny Diablo 3 nicht anrührt...

„Kind! Mach doch mal die Flimmerkiste aus. Du verdaddelst doch noch deine ganze Jugend“. Recht hatte meine Mutti - zumindest bei zwei Titeln, mit denen ich wirklich verhältnismäßig viel Zeit verbracht habe, die ich rückblickend auch anders investieren würde: „Counter-Strike“ und „Diablo“. Während von „Counter-Strike“ zumindest noch das eine oder andere spannende Match in Erinnerung geblieben ist, hatte ich nach x teuflischen Spielstunden, die vom dauerhaften Klicken sogar das Hardwareleben einer Maus einforderten, eine supercoole Ausrüstung zusammengestellt. Wow! Immerhin machte sie mich zum reichsten Mann der Welt - reich an der Erfahrung, nicht noch ein drittes Mal auf den Sammelteufel hereinzufallen.

Diablo – Der Dämon von gestern

Was war eigentlich einst so faszinierend an „Diablo“? Gute Frage! Wenn wir einmal ehrlich zu uns selbst sind, gar nicht so viel. Die Story hatte Bierdeckelniveau und war ebenso schnell erzählt, wie das blasse Anliegen der wenigen NPCs. Schon damals war man, dank „Baldurs Gate“, erzählerisch besseres gewohnt und gäbe es die Monsterhorden nicht, wäre „Diablo“ ein sehr einsames Erlebnis gewesen. Innere Stärken hatte der Teufel wirklich nicht zu bieten. Auch seine Ländereien waren wegen des immer gleichen Zufallcharakters weitestgehend frei von tollen Aussichten und luden mich deswegen auch kaum zum Entdecken ein. Da gefiel mir die Entscheidung von „Ascaron“ definitiv besser, die Welt von „Sacred“ fest, dafür aber weit stimmiger zu gestalten. Und auch das Gameplay an sich war, trotz diverser Spezialfertigkeiten, in Prinzip sehr monoton. Die eigentlichen Stärken waren lediglich die Sammelwut, die binnen weniger Minuten um sich Griff und den Spieler langatmig mit vereinzelten Raritäten immer wieder gekonnt bei Laune hielt sowie der LAN-Spaß, wenn der Freundeskreis die Rechner vernetzt hatte. Als Heldengruppe hatten wir viel Spaß gehabt, jedenfalls bis der Zusammenhalt der Mitstreiter dem Neid und Egoismus des Einzelnen wich und sie sich in alle Himmelsrichtungen verstreut haben. Irgendein raffgieriger Spielverderber schlich sich leider irgendwie immer ein.

Aber Schwamm drüber, „Diablo“ hatte damals seinen Platz gefunden und behaupten können. Als dann „Blizzard Entertainment“ tatsächlich einen dritten Teil der „Diablo“-Reihe angekündigt haben, musste ich die Spieleerfahrungen der letzten Jahre Revue passieren lassen und brauchte nicht lange grübeln, ob ich mir diese tristen Abläufe jetzt noch einmal antun muss.

Weiche von mir, Satan!

Nein! Definitiv nicht. Lieber besuche ich freiwillig den Gottesdienst und danke gesanglich „für diesen guten Morgen“, als dass ich mich noch einmal virtuell mit „Diablo“ einlasse. Es gibt zahlreiche Retrospiele, die ich wegen ihrer kurzweiligen Unterhaltung auch heute noch sehr gerne dann und wann spiele und besser gealtert sind, als es „Diablo“ tat. Ich möchte eine packende Handlung erleben, die cineastisch meisterhaft erzählt wird, wie bei einem „Yakuza 4“. Meinen Alter Ego möchte ich nach heutigen Standards selbst erstellen, am liebsten wie bei „Dragon’s Dogma“, das mit vielen Details, unter anderem die Körperhaltung, Maßstäbe setzt. „Demon’s Souls“ hat gezeigt, dass ein Kampfsystem weit mehr ist, als ein simpler Mausklick. An den Panoramen von „Uncharted“ konnte ich mich manches Mal gar nicht satt genug sehen, so unglaublich schön wurden sie gestaltet. Multiplayer ist toll, heutzutage aber nichts Spektakuläres mehr, „Resident Evil 5“ macht es vor, aber auch ein Einzelspielermodus darf nicht fehlen - am besten noch mit Partiemitgliedern, die, wie bei „Xenoblade Chronicles“, glaubhafte Beziehungen untereinander aufbauen und lebendig wirken.

Wozu soll ich also auf die altbackene Pirsch nach Artefakten gehen, wenn man sie heutzutage im Shop kaufen kann, nur weil der Geduldsfaden reißt? Geld regiert nun leider auch die Spielwelt. Das mittlerweile verflachte Erfahrungssystem, das beim Aufstieg automatische Werte vergibt, biedert sich nunmehr der Masse an, als sie zu fordern und ihr ein gewisses Maß an Individualität zu bieten. Und dann wäre da noch der permanente Onlinezwang, den ich aus Prinzip nicht mitmache. Klar, Raubkopien sind ein brisantes Thema, der Wiederverkauf mag der Spielindustrie ein Dorn im Auge sein, dennoch sind andere Publisher auch ohne diesen Mumpitz erfolgreich. Und wenn die Server dann noch tagelang nicht dem Ansturm gewachsen sind, tja, da kann ich nur entspannt drüber schmunzeln. Die Masse hätte es in der Hand, ob so ein System auch in Zukunft besteht oder nicht und sollte nicht jedem großen Hype gleich hinterherdackeln.

Benny

Für die Zukunft

Tja, Diablo. Dein drittes Abenteuer werde ich ohne das geringste Verlangen und ohne das kleinste Gefühl, etwas Weltbewegendes verpasst zu haben, aussetzen. Für ein gemeinsames Wiedersehen wirst Du Dich an erster Stelle von Deinem Onlinezwang distanzieren müssen, vorher rede ich kein einziges Wort mit Dir. Damit wir beide aber wieder um die Dungeons ziehen und ein paar Goblins und andere Monster aufmischen, wirst Du selbst ein paar Stufen aufsteigen müssen, das gilt für Dein Gameplay, Dein Leveldesign und für Deine Dramaturgie, halt alles, was ein modernes Actionrollenspiel ausmacht.

Den euphorischen Gegenentwurf von Christian findet Ihr hier: Warum mich Diablo erneut gepackt hat. Ein Bekenntnis.

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