Videospiele

Angespielt: Dragon's Dogma

System: PS3/X-Box 360 | Genre: Action-RPG | Entwickler: Capcom | USK: ab 16 Jahren

Einen Abend lang konnte ich das Rollenspiel Dragon's Dogma (Doragonzu Doguma), welches heute erschienen ist, anspielen. Dadurch, dass der Besitzer auch schon auf Level 30 gekommen ist, konnte ich einen recht guten Eindruck bekommen, um Euch nun ein wenig zu berichten, was Rollenspiel-Fans hier erwartet.

Der West/Ost-Mix!

Letztes Jahr haben die Spielermassen sich hauptsächlich um zwei Rollenspiele auf den HD-Konsolen gezankt: Skyrim und Dark Souls - ersteres kommt aus dem Westen und letzteres aus dem Osten. Das hat natürlich so seine Auswirkungen auf das Gameplay und während man in Skyrim eine riesige Welt mit vielen Quest bekommt, kämpft man sich in Dark Souls Schritt für Schritt durch eine etwas kleinere, aber dafür intensivere Welt vor, mit einem weit ausgeklügelteren Kampfsystem. Jetzt haben Capcom einige ihrer talentiertesten Spiele-Entwickler, welche für Resident Evil, Devil May Cry oder Breath of Fire verantwortlich waren, an dieses Action/Fantasy Open-World RPG mit Survival Horror Elementen gesetzt um uns eine Mixtur zu bescheren.

Ein Charakter-Editor, der seines Gleichen sucht

Das Herzstück von Dragon's Dogma ist wohl die Charaktererschaffung und -Entwicklung. Während ich zur Story jetzt nicht unbedingt viel sagen kann, zeigten viele kleine Ideen sowie dutzende Möglichkeiten und Wege den eigenen Charakter zu formen und zu entwickeln. Zudem ist man zu Anfang des Spiels in einem Charakter-Editor beschäftigt, der seines Gleichen sucht. Dort lassen sich nicht nur übliche Dinge wie das Geschlecht und oder die Haarfarbe entscheiden, sondern unter anderem auch Körperhaltung, Gangart, Brustumfang, womit man am Ende sogar ungewöhnliche Kämpfer erschaffen kann, wie z.B. eine kleine zierliche alte Dame. Über das eigene Alter-Ego hinaus soll man sich auch noch einen Vasallen erschaffen, der anscheinend kein richtiger Mensch sein soll und eher als eine Art loyalen Begleiter mit auf Reisen genommen wird. Diese halten einem nicht nur im Kampf den Rücken frei, sie sammeln auch in der Umgebung Pflanzen ein und was sonst noch so an Arbeit anfällt. Wir hatten eine interessantes Duo kennengelernt, welches an John Connor und den Terminator erinnert.

Eine breite Auswahl an Fähigkeiten, welche der Spieler im Laufe des Spiels freischalten kann, tragen wesentlich dazu bei, dass das actionlastige Kampfsystem seinen Reiz auf lange Sicht wohl nicht verliert. Überhaupt gefällt mir die Steuerung, allein das Bogenschießen geht gut von der Hand und machte mir auf Anhieb richtig Spaß. In den schön inszenierten Boss-Kämpfen gefällt mir das Festhalten an den großen Monstern ziemlich gut und erinnert mich an "Shadow of the Colossus". Ansonsten wirkt das System manchmal ein wenig zu hektisch, aber wer mit dem Kampsystem von "Devil May Cry" etwas anfangen kann, wird hier mit Sicherheit gleich seine Freude haben. Zum Heilen muss man allerdings immer in ein Menü schalten, was mir leider nicht so zusagt.

Die Präsentation

Viel Zeit verbringt man in Dragon's Dogma auf Reisen, vor allem kommt man da ohne Reiten oder Fahrzeuge nicht so schnell voran, wie z.B. in "Red Dead Redemption". Dafür wartet aber eine hübsche Natur, die lebendig wirkt und bei der Weitsicht, die in dem Spiel vorkommt, sollten die langen Fußwege zumindest hier noch mal etwas für's Auge bieten. Von der Grafik her darf man aber wirklich nicht zu viel erwarten: Weder technisch noch vom Artstyle her reicht es wirklich an Konkurrenz-Produkte heran, weil man hier und da zwischen matschigen Texturen oder Polygon-armen Elementen etwas mehr Feinheiten vermisst. Ich kann da recht leicht darüber hinwegsehen, gerade bei Open World Titeln, aber wer da besonders anspruchsvoll ist, sollte sich hier schon auf ein paar Kompromisse einstellen.

Ein wenig still wirkte das Spiel auf mich – die Wegbegleiter deuten mit ihren, zu der Szene passenden und individuellen Kommentaren, immerhin eine Kommunikation an, die aber dank des stummen Helden nicht wirklich ausufert. In der Stadt und unterwegs unterhält man sich dann immerhin mit einigen NPCs, welche alle mit englischer Sprachausgabe daherkommen, welche leider nicht lippensynchron ist. Die Musik fiel mir jetzt nicht besonders groß auf (außer den grandiosen J-Rock Titelsong, der einige vielleicht schockieren dürfte).

...weitere witzige Überraschungen

Überraschend empfand ich den Einsatz von Zombies: Die Resident Evil-Macher haben einige Anspielungen in Dragon's Dogma versteckt, so lauft Ihr nachts tatsächlich Untoten über den Weg, welche sich vom Verhalten her sogar sehr nach "Resident Evil" anfühlen, da man sie z.B. abschütteln muss, wenn sie einen packen. An anderer Stelle entdeckt man Schlangen in Truhen, welche auch Eier hinterlassen (sogar goldene!).

Anspielungen zu der Manga-Serie "Berserk" gibt es auch: es gibt zum Beispiel Rüstungsteile aus der Serie, oder auch eine kleine Hexe im Wald, die in einem Baum-Haus mit Stein-Golems davor wohnt. Da merkt man, dass hier Japaner hinter stecken, bei denen der Manga recht bekannt ist (und ich bin ja auch noch ein großer Fan!).

Piet

Von der Presse unterbewertet?

Es scheint schon zu stimmen: Ein wenig mehr Feinschliff hätte Dragon's Dogma vielleicht wirklich gut vertragen können. Selbst wenn ich das Spiel nur einige Stunden begutachten konnte, wenn man so durch die nicht so richtig lebendige Stadt schreitet oder auf grafischer Ebene die Qualität stark schwankt, wird man das Gefühl nicht los, dass da noch mehr drin gewesen wäre. Aber Freunde solider RPG-Kost lassen sich davon ja vielleicht nicht unbedingt abschrecken, weil der Rest des Spiel recht ordentlich sitzt: Wer möchte, kann hier versuchen den Level-Cap von 200 zu erreichen und auch dank Game New+ zahlreiche Stunden in der Welt von Dragon's Dogma verbringen, wenn man denn genug Experimente wagt und die wiederkehrenden Kämpfe durch neue Fähigkeiten und Spielweisen frisch hält.

Ich für meinen Teil habe jetzt vielleicht eine entspannte Alternative für Dark Souls gefunden, was vielleicht nicht genau so überragend gut ausgefallen ist, aber dafür auch nach Feierabend gut spielbar ist und mich nicht durch seinen Schwierigkeitsgrad frustriert. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass ich so ein umfangreiches Spiel wirklich bis zum Schluss durchgespielt bekomme, vor allem bei dem Wetter momentan!

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