Review

WipEout 2048

System: PlayStation Vita | Genre: Future-Racer | USK: ab 12 Jahren

Die alte Sucht

Ich muss zugeben, dass WipEout mich damals, auf der ersten PlayStation, nicht direkt begeistern konnte. Zwar gefiel mir die Optik auf Anhieb, doch einem alten F-Zero Fan wie mir war die Steuerung nicht eingängig genug und der Schwierigkeitsgrad zudem sehr frustrierend. Erst Jahre danach stieß ich auf WipEout HD für die PlayStation 3 und konnte mich, trotz steiler Lernkurve, endlich das erste Mal für die Serie begeistern und mich anschließend nicht mehr lösen. Und dabei bin ich gar kein Rennspiele-Fan, eigentlich spiele ich nur Mario Kart und Future Racer. Auf der Vita hatte ich nun ein Wiedersehen mit den futuristischen Fahrzeugen, das zu meiner Überraschung sehr einsteigerfreundlich ausgefallen ist.

Hübsch, schnell und ein guter Soundtrack

Diese drei Punkte erfüllt die Serie schon von Beginn an, so auch im aktuellen Teil. Das Geschwindigkeitsgefühl, an das man sich erst einmal gewöhnen muss, ist hervorragend und die Framerate bei voller Auflösung konstant. Da sich, wie der Titel schon sagt, der neueste WipEout-Ableger im Jahre 2048 noch in greifbarer Ferne abspielt, kommen die Strecken, nicht wie üblich, komplett futuristisch und klinisch sauber daher, sondern sind stattdessen recht dreckig: Vegetation am Straßenrand, Wolkenkratzer am Horizont und aufheulende Motorengeräusche zeigen Ecken und Kanten, die ich öfters bei WipEout HD vermisst habe.

Der elektronische Soundtrack ist wie immer aktuell und besteht überwiegend aus lizensierten Songs, wie unter anderem von jungen Drum'n'Base Künstlern wie Camo & Krooked und deadmau5, aber Songs alt bekannter Interpreten sind dabei, wie von Kraftwerk oder The Prodigy. Auf der PS3 habe ich es geliebt, mir Playlisten für den Custom-Soundtrack zusammenzustellen, in diesem Teil ist es zumindest vom Ingame-Menü her nicht mehr möglich. Es gibt aber Abhilfe: Wenn man vor Spielbeginn den Vita-Musikplayer einschaltet, laufen die eigenen Songs im Spiel weiter. Akustisch ist also wie gewohnt fast alles gelungen, wenn man davon absieht, dass sich die Musik ohne Kopfhörer  kaum von den Sound-Effekten absetzt. Außerdem wurden die Sprecher diesmal eingedeutscht, was sich leider nicht so schön anhört wie, die Englischen, die man von WipEout lange gewohnt war. Na ja, geschenkt!

Spielbarkeit

Von der Steuerung her bietet uns WipEout 2048 drei Optionen an: Die Klassische, welche durch den zweiten Analog-Stick auf der Vita nicht ganz so gut funktioniert, wie auf der Konsole (da man auf X beschleunigt, kommt man schnell an den Stick, der im Kampfmodus sogar einen U-Turn verursacht. Schade!). Eine gelungene Rennfahrer-Einstellung, auf der man mit R1 Gas gibt und die Luftbremse auf dem Quadrat hat. Und letztendlich eine Steuerung, welche die Funktionen des Touchscreens und Bewegungssensoren der PS Vita nutzt, sich aber für ein effektives Spielen eigentlich kaum eignet. Gekoppelt mit der angepassten Physik und den breiteren Strecken kann man WipEout 2048 eine gute Spielbarkeit nachsagen, welche in den letzten Rennen und höheren Geschwindigkeiten allerdings an ihre Grenzen stößt. Gerade wenn jeder einzelne Fehler großer Auswirkungen hat, wünsche ich mir dann teilweise die Feinmotorik des PS3-Controllers herbei.

Aber die schwierigen Herausforderungen müssen ja auch erst einmal erreicht werden. Der Einstieg in die Kampagne fällt überraschend einsteigerfreundlich aus, denn das konkrete Auswendiglernen der Strecken fällt erst später ins Gewicht. Suchtpotenzial besteht, wenn man sich überall die Elite-Wertung erarbeiten möchte. Was mir persönlich aber nicht so sehr gefällt, ist die geringe Bedeutung von Zeitrennen, die bei Kampfrennen wiederum zu hoch ausfällt. Ansonsten ist die Kampagne, auch wenn sie mit drei Rennserien à zehn Rennen etwas kurz ist, eine sehr gute Vorbereitung auf die Online-Rennen, welche in diesem WipEout-Teil wesentlich mehr Gewicht bekommen haben. Die Online-Kampagne gestaltet sich als weitaus umfangreicher, leider mit einer Schwäche: Wesentliche Entscheidungen bleiben dem Spieler nicht überlassen, z.B. welche Strecke er genau fahren möchte. Insgesamt wird man jedenfalls sowohl als Einzelspieler, wie auch als Online-Betreiber genügend Herausforderungen finden, sodass der Spiel-Umfang nicht all zu viele Wünsche offen lässt. Vor allem Perfektionisten werden auch hier wieder viel Zeit investieren.

Crossplay konnten wir auch bei uns testen, einige Strecken von WipEout HD lassen sich gemeinsam spielen. Allerdings hat der Spieler an der PlayStation 3 deswegen einen Vorteil, da die Steuerung aufgrund der höheren Framerate und dem präziseren Controller einfach noch einmal besser von der Hand geht. Insgesamt ein gut gemeintes Feature, aber für mich bisher nur ein Ausblick auf das, was uns in Zukunft zwischen PS3 und Vita noch so erwarten wird.

Lässt lange auf sich warten

Insgesamt fällt so gut wie keine Kritik an, bis auf einen wesentlichen Punkt: Bei den Ladezeiten verlangen die Entwickler dem Spieler einiges ab. Es dauerte schon fast eine gefühlt Minute, bis das Rennen startet, was vor allem unterwegs in der Bahn etwas unpraktisch ausfällt. Hat man allerdings das erhältliche Update installiert, werden die Ladezeiten noch mal ein wenig verbessert. Schon bei WipEout HD haben die Entwickler am Schwierigkeitsgrad im nach hinein herumgeschraubt, so dankbar ist man gegenüber der WipEout Community.

Trailer

Piet

Fazit

WipEout 2048 sieht nicht nur sehr gut aus und bildet mit Uncharted: Golden Abyss momentan das grafische Vorzeige-Duo, es spielt sich auch gut. Die hohe Gewichtung der Online-Elemente mögen nicht jedem gleich gut gefallen, aber bis auf die Ladezeiten und dem hier und da fehlendem Feinschliff habe ich kaum Kritik übrig. Ich bin sogar sehr glücklich mit dem Gesamtpaket und froh, dass es zum Start der Vita gleich schon eines meiner Lieblingsspiele von Sony gibt. WipEout-Fans brauche ich das Spiel ohnehin nicht empfehlen, die kommen eh nicht drumherum. Neueinsteigern rate ich einen Blick auf den Trailer und wenn man mit dem Setting etwas anfangen kann, gibt es von mir eine volle Empfehlung, auch wenn die Geduld der Perfektionisten in den späteren Rennen auf die Probe gestellt wird. Solide, klassische Kost, die man als frischer Vita-Besitzer in Betracht ziehen kann.

Wertung: 8.3

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Sony Computer Entertainment für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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