Review

Uncharted: Golden Abyss

Entwickler: SCE Bend Studio | Genre: Action-Adventure | Plattform: PlayStation Vita | USK: ab 16

Hey Nate, wie lange kennen wir uns eigentlich schon? Wirklich schon seit vier Jahren? Wie die Zeit vergeht… Als wir uns kennenlernten, waren wir gemeinsam auf der Suche nach El Dorado - was für ein Abenteuer! Auch unsere zweite Reise machte mir großen Spaß. Was sich aber bereits auf den Spuren von Marco Polos verschwundener Flotte abzeichnete, enttäuschte mich bei der Jagd nach der verloren Stadt Iram sehr: die Action! Denn Rätsel und Kletterpassagen kamen viel zu kurz und die Spielzeit war zudem etwas mager. Zugegeben, ich hatte schon das Interesse verloren, mit Dir, Nate, ein weiteres Mal aufzubrechen, aber wer kann Dir und Deiner charmanten Art schon etwas ausschlagen?!

Ein archäologisches Vita-Abenteuer

Tief im Dschungel Panamas beginnt Nathan Drakes neueste Expedition. Von seinem Auftraggeber Jason Dante wird er geradewegs zu einem Massengrab spanischer Soldaten geführt, wo bereits Dantes Partnerin, Marisa Chase,  wartet. Als Dante nach einem kurzen Funkspruch anderorts nach dem Rechten sehen muss und Marisa und Nate unter sich sind, zeigt Marisa Nathan ein goldenes Medaillon, das sie Dante aus Mangel an Vertrauen vorenthalten hat.

„Uncharted: Golden Abyss“ orientiert sich, ganz zu meiner Freude, sehr an Nates erstem Abenteuer, „Uncharted: Drakes Schicksal“. Während sich die Handlung wieder größtenteils im Dschungel abspielt und actionreiche Schusswechsel den Kletterspaß auflockern, aber längst nicht dominieren, ist es vor allem die Rätseldichte, die wieder ordentlich zugenommen hat. Damit „Golden Abyss“ aber mehr als nur ein lauwarmer Aufguss ist und spielerisch gar alle anderen Uncharted-Teile überflügelt, haben die Entwickler von SCE Bend Studio (unter der Aufsicht von Naughty Dog), mit Ausnahme des Mikrofons, sämtliche Funktionen der PlayStation Vita aufgegriffen. Heraus kam dabei ein archäologisches Erlebnis, das sich erfrischend neu anfühlt:

Mit seiner Machete schlägt sich Nate via Touchpad seinen Weg durchs Gestrüpp, fertigt von diversen Reliefs mittels Kohlestift Abdrücke an, befreit Artefakte von Schmutz, knipst Fotos von Sehenswürdigkeiten und rekonstruiert aus Papierschnipseln Hinweise und Bilder. Auf einem Wasserfall geht es mit der Sixaxis-Steuerung turbulent her und auch die Fahrt mit dem Kanu ist originell umgesetzt worden. Besonders beeindruckend war die Kamerafunktion rund um ein leeres Pergament, worauf ich aber nicht näher eingehen möchte, um nicht die Überraschung zu vermiesen. Brillant! Wie bei allen Vorgängern sind natürlich wieder überall in der Gegend Schätze versteckt - allerdings mehr denn je, die zudem noch mittels Notizen oder Kommentaren näher beschrieben werden. Gerade diese Detailverliebtheit verleiht den Schätzen eine weit größere Bedeutung, zumal sie sogar während der Story hin und wieder angesprochen oder gezeigt werden.  „Uncharted: Golden Abyss“ wirkt abenteuerlicher als jemals zuvor, mit einem noch stärkeren Mittendrin-Gefühl als bei all seinen großen Brüdern.

Alternativ zur klassischen Steuerung, die dank der beiden Sticks nicht weniger hervorragend funktioniert als die der Heimkonsole, lassen sich sowohl Touchpads und Sixaxis-Funktion zum Klettern und im Nahkampf nutzen. Dies funktioniert zwar ebenfalls einwandfrei, wirkt dennoch etwas verkompliziert, weshalb ich Nate lieber auf herkömmlicher Art durch den Dschungel gescheucht habe. Schön, dass man die freie Wahl hat!

Bei aller Höhenangst, was für eine Aussicht!

Mit „Uncharted: Golden Abyss“ als Launchtitel zeigt die PlayStation Vita verblüffend, was grafisch in ihr steckt und erreicht dabei eine ähnliche Pracht, wie die PlayStation 3. Das Spiel wird stets flüssig dargestellt und auch das Kantenflimmern fällt, ähnlich wie auf Sonys aktueller Heimkonsole, dezent aus. Nur die Auflösung ist natürlich nicht ganz so hoch, wie die der PS3, was aber durch das im Verhältnis kleinere Display kaum auffällt.

Der dicht bewucherte Dschungel Panamas beeindruckt vielerorts und versetzt mit grandiosen Aussichten schnell ins Staunen – so auch mich, als ich neben einem Wasserfall eine Felswand erklommen hatte und hoch oben, in schwindelerregender Höhe, eine malerische Aussicht genießen konnte. Und das war längst nicht die einzige Augenweide. Die gesamte Spielwelt wurde hervorragend designt, so dass vor allem das Klettern jede Menge Spaß bereitet.

Akustisch bewegt sich Nates neuestes Abenteuer auf gewohnt hohem Niveau, das gilt für Soundeffekte, stets passender musikalischer Untermalung und den Synchron-Sprechern. Selbstverständlich wurden die altbekannten Sprecher von Nate und Sully verpflichtet - sehr schön, dass letzterer ebenso mit von der Partie ist. Auch die Sprecher anderer Charaktere machen einen ordentlichen Job, so dass die vielen Zwischensequenzen stimmig sind und der häufige Wortwitz zum Schmunzeln anregt.

Trailer

Benny

Fazit

Nate, Du hast mich wirklich überrascht! Denn seien wir mal ehrlich, wer erwartet schon auf einem Handheld ein Spielerlebnis, das es mit seinen Vertretern auf der Heimkonsole mit Leichtigkeit aufnehmen kann? Nicht nur, dass unsere Reise zur goldenen Stadt länger war, als beim enttäuschenden letzten Trip. Ich bin froh, dass Du wieder zu Deinem abenteuerlichen Selbst gefunden hast und mich mit kreativen Ideen erneut richtig begeistern konntest. Es war mir eine große Freude und hoffe auf eine Fortsetzung dieser Art!

Wertung: 9.2

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Sony Computer Entertainment für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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