Videospiele

PlayStation Vita

Hersteller: Sony | Erscheinungsdatum: 22. Februar 2012 (Europa) | Vorgänger: PlayStation Portable

Als Sony der Videospielwelt die PlayStation Vita präsentierte, stand zunächst ihr Potenzial im Raum. Sie hatte nicht nur im Vergleich zur PSP grafisch und ergonomisch deutliche Fortschritte gemacht, nein, sie bot neben dem berührungsempfindlichen Display noch ein zweites Touchpad auf ihrer Rückseite, das zusammen mit den beiden Analogsticks, der Sixaxis-Funktion, den beiden verbauten Kameras und dem Mikrophon viel Raum für kreative Ideen bot. So der erste Eindruck, wirklich interessant wurde Sonys neuer Handheld für mich allerdings erst, als die ersten Titel vielversprechend aussahen.

Gekauft, ausgepackt und begeistert?

Die PS Vita zeigte sich ja bereits zuvor als äußerst fotogen, beim Auspacken war ich jedoch angenehm überrascht, wie groß ihr 5-Zoll großes OLED-Display tatsächlich ist und wie gut die PS Vita in der Hand liegt. Das berührungsempfindliche Display begeisterte mich auf Anhieb, denn die Farben sind knackig, die Kontraste natürlich und insbesondere der Schwarzwert eine kleine Sensation für sich, da er nahezu alles in den Schatten stellt, was ich bisher gesehen habe. Auch stellen extreme Blickwinkel keinerlei Probleme dar, so dass weitere Personen dem Spieler problemlos über die Schulter schauen können.

Beide Touchpads reagieren punktgenau, sauber und ohne Verzögerungen. Während die Kameras in Spielen durchaus raffiniert genutzt werden können, unter anderem wegen der Möglichkeit ihrer Gesichtserkennung, schwächeln sie leider bei der Aufnahme von Fotos, die insgesamt stark verrauscht und dunkel ausfallen - kein Wunder, denn ein Blitzlicht ist nicht vorhanden. Im Gegensatz zu Heimanlagen reißen die winzigen Lautsprecher der PlayStation Vita selbstverständlich keine Bäume aus, klingen aber im Miniformat und im Vergleich zu ähnlichen Geräten doch sehr beachtlich, auch wenn die Höhen das Klangbild klar dominieren – auf Kopfhörer kann getrost verzichtet werden.

Dass der Handheld gut in der Hand liegt, ist zum einen ihrem flachen, abgerundeten Design und zum anderen ihrem geringen Gewicht zu verdanken. Die Tasten und Analog-Sticks, die ich mir anfangs noch als recht winzig vorstellte, lassen sich entgegen ersten Befürchtungen intuitiv erreichen und bestens bedienen. Selbst nach mehreren Spielstunden, treten keine Ermüdungserscheinungen auf, was bei anderen Handhelds schon eher der Fall sein kann.

Bei den Anschlüssen vermisst man durchaus einen HDMI-Anschluss, denn hier hätte der Handheld einen schönen Mehrwert am heimischen HDTV bieten können, was die Multimedia-Funktionen angeht. Über den Kopfhöreranschluss lässt sich die PS Vita per Cinch-Stecker immerhin an die Musikanlage anschließen.

Ein Gerät mit vielen Möglichkeiten

Durch den Touchscreen haben natürlich nicht nur Funktionen aus dem Smartphone-Bereich Einzug erhalten. Sony hat sich durch eine sehr eigenwillige Menü-Führung von der guten alten Crossmedia-Bar verabschiedet und liefert eine iOS ähnliche Oberfläche, die auf die Finger der Spieler zugeschnitten wurde. Allerdings sorgen Fahrstuhl-Musik und ein bunter und verspielter Look für ein merkwürdiges Kontrastprogramm zur eher wohnzimmertauglichen Hardware-Optik.

Egal wie vielen Spielern es widerstrebt: Erst lernten unsere Konsolen und Handhelds Musik und Video abzuspielen und im Internet zu surfen, nun geht es folgerichtig weiter in die moderne vernetzte Struktur von Social-Media. Sony hat sich reichlich Mühe gegeben, es nicht nur beim PSN-Account zu belassen. Die App "Near" hilft dem Spieler dabei, mit einer Art Facebook-Oberfläche den Status seiner PSN-Freunde zu verfolgen, deren Fortschritte zu "liken" und zu kommentieren und auch neue Menschen kennenzulernen, die sich in der Umgebung aufhalten (und es sind schon überraschend viele Vitas unterwegs, zumindest hier im Norden). Dabei haben die Entwickler auch immer an die Privatsphäre gedacht und erlauben in sämtlichen Einstellungen einen individuellen Umgang mit seinen Daten. So teilt man seine Informationen notfalls auch mit niemanden oder schafft eine Art "Home-Zone", in der man nicht erreichbar ist.

Apps und Programme

Im Gegensatz zu Apples iOS oder Android, vermisst man hier allerdings noch allerlei Apps. Zwar liefert die kleine PlayStation bereits gängige Apps wie Facebook, Twitter, Flicker und einen gut funktionierenden Internet-Browser, doch praktische Apps wie ein E-Mail Programm, ein spezieller Musik-Player mit .FLAC Unterstützung und Last.fm-Scrobbler, sowie vielleicht auch Remotes für HTPC-Anwendungen wie XBMC bleiben Nischen-Produkte, auf die man als Technik-Freak wohl auch in Zukunft nur über sein Smartphone zugreifen können wird. Nicht einmal in den Genuss einer YouTube-App oder Webradio kommt man bisher.

Und was ist mit E-Books? Sony bietet kein Konkurrenzprodukt zum Amazon-Kindle-Store und sollte sich vielleicht mal überlegen, ob eine App da nicht sinnvoll wäre. Von der Bedienung und der Bildschirmgröße her kann man auf der PlayStation Vita angenehmer lesen als auf einer typischen Smartphone-Bildschirmgröße.

Das Dreamteam: PS3- und PS Vita-Verbindung dank Remote Play

Aber Sony hat dennoch interessante Features im Petto. Remote Play, welches schon auf der PSP den Zugriff auf die heimische PlayStation 3 über das Internet ermöglichte, sorgt auch weiterhin für hübsche Spielereien. So kann man nicht nur einige PSN Titel direkt auf der PS Vita spielen oder abends im Bett Videos und Musik, welche auf der PS3 liegen, auf die Vita streamen, sondern nun auch einen neuen Controller für die PS3 damit schaffen. Was in einigen Monaten auf der Wii U möglich sein soll, ist praktisch jetzt schon dank der PS Familie gegeben. Es liegt an den Entwicklern, mit der neuen Verbindung clever umzugehen - ich freue mich auf das erste PS3 Spiel, welches sich mal eben auf der PS Vita weiterspielen lässt und den Spielstand über das Netzwerk automatisch synchronisiert.

Soviel zur Hard- und Software der PS Vita. Doch wie schätzen wir sie in einem Vergleich mit anderen Handhelds ein?

Der Vergleich zum Vorgänger, der PlayStation Portable

Was die Geräte im Vergleich angeht, so merkt man dem Nachfolger deutlich einige Verbesserungen an. Wer die neuen Analogsticks ausprobieren konnte, wird sich schwer tun, noch einmal nur mit einem Slide-Pad auf einer PSP zurechtzukommen. Der Vorgänger liegt auch einfach nicht so rund in der Hand, da gerade die Schultertasten mit ihren Ecken doch ein wenig problematisch waren. Einziger Pluspunkt mag wohl der Akku der PSP gewesen zu sein: Dieser war nicht fest verbaut und ließ sich bei einem Defekt einfacher austauschen. Ansonsten wurde so ziemlich alles überdacht und verbessert, auch wenn der neue Handheld noch weniger bis gar nicht mehr in die Hosentasche passt. Ansonsten gibt es eigentlich keinen Grund, jetzt noch zum Vorgänger zu greifen.

Der Vergleich zur Konkurrenz: PlayStation Vita und der 3DS

Der erste Anblick zeigt gleich, dass beide Handhelds in zwei verschiedenen Welten leben, was sich auch im Preis deutlich bemerkbar macht. Während der 3DS ein preiswertes Gesamtpaket liefert, punktet die PS Vita qualitativ. Nicht nur ihr Display ist deutlich größer als die des 3DS, sie bietet auch das bessere Bild. Das Schwarz der 3DS ist lediglich ein dunkles Anthrazit, die Farben erstrahlen weniger knackig und vor allem erlaubt der 3DS keine extremen Blickwinkel.

Die für Handheld an sich sehr gute Grafik, die der 3DS mit „Resident Evil - Revelations“ gezeigt hat, muss sich auf Anhieb Vitas bisherigem Vorzeigetitel, „Uncharted: Golden Abyss“, ganz klar geschlagen geben, was vor allem daran liegt, dass die Auflösung der Vita doppelt so hoch ist, wie die des 3DS. Auf eine dreidimensionale Darstellung muss man bei Sonys neuem Handheld allerdings komplett verzichten.

Steuern lässt sich die PS Vita ebenfalls besser, da sich die Sticks bequemer bedienen lassen, als der trotz allem gut funktionierende Slidepad des 3DS. Speicherkarten lassen sich beim 3DS problemlos einführen, während die Vita spitze Fingernägel oder andere Utensilien leider voraussetzt. Hier wäre eine Art Druckmechanismus oder ein ebenfalls offener Schacht wünschenswert gewesen. Ein Punkt geht ganz klar an Nintendos Handheld, da dieser bereits über einen eingebauten Speicher verfügt. Dies wäre für den hohen Preis der Vita eigentlich selbstverständlich gewesen. Einen weiteren Punkt hat sich Nintendo für die einfacher zu bedienende Benutzeroberfläche verdient, auch wenn die Vita in ihrer verschachtelten Architektur mehr Möglichkeit bietet und moderner wirkt.

Wenn man den hohen Releasepreis des 3DS ignoriert, Nintendo hat den Preis ja mittlerweile stark nach unten korrigiert, sind beide Handhelds für sich gesehen definitiv empfehlenswert und eine Bereicherung für jeden ambitionierten Videospieler.

Daten und Features im Überblick

  • Quadcore-Prozessor: ARM CortexTM-A9-Core
  • OLED Touchscreen, 12 cm (16:9)
  • Auflösung: 960 × 544 (220ppi)
  • Multitasking für mehrere Anwendungen
  • Kamera auf Vorder- und Rückseite (Augmented Reality-Spiele möglich)
  • Stereo-Lautsprecher
  • zwei Analogsticks
  • Touchfläche auf der Rückseite
  • eine konstante Internet-Verbindung dank 3G (separates Modell)
  • Positionsbestimmung auch mit WLAN
  • Sechs-Achsen-Sensorensystem
  • Akku-Laufzeit zwischen 3 und 5 Stunden

Benny

Mein Fazit

Die PlayStation Vita ist ein hochwertiges Gerät, das kreativen Entwicklern viele Möglichkeiten bietet, die auch hoffentlich genutzt werden. Vielen potenziellen Käufern dürfte der Gedanke im Kopfe spuken, dass es für die PlayStation Vita einen ähnlichen Mangel an exklusiven Titel geben könnte, wie es auf der PSP der Fall war. Dabei sieht die Gegenwart und Zukunft der PS Vita bereits jetzt schon sehr rosig aus. Im Store befinden sich jetzt schon Download-Titel, die einen Blick wert sind, zumal viele PSP-Titel zur Verfügung stehen. „Uncharted: Golden Abyss“ konnte es bereits spielerisch mit seinen großen PS3-Brüdern aufnehmen. „Resistance: Burning Skies“ erscheint schon im kommenden Monat. „Gravity Rush“ sah in den ersten Trailern nicht nur vielversprechend aus, es steht bereits in den Startlöchern und erscheint wie „Little Big Planet“ ebenso im Juni. Letzterer Titel scheint den Trailern nach ebenfalls die Möglichkeiten des Handhelds in vollen Zügen auszuschöpfen und könnte, wie Nate es schon tat, seine Vorgänger mit frischen Ideen spielerisch überflügeln. Sogar ein „New Little Kings Story“ scheint gar nicht einmal in so weiter Ferne zu sein. Auch über eine Vita-Version von „SEGA Allstars Racing“ wird bereits gemunkelt, eine gute Alternative zu „Mario Kart“. Ein exklusives „Assassins Creed“, kein Remake und auch keine Portierung, dürfte für viele ein Leckerbissen sein. Und auch „Sumioni: Demon Arts“ macht bereits jetzt einen guten optischen Eindruck. Es besteht allem Anschein nach kein Mangel an Vita-min S(paß), wie viele vielleicht auf den ersten Blick vermuten könnten. Ob aber genügend Adventures und Rollenspiele auf die PS Vita finden werden, bleibt abzuwarten, erster Lichtblick ist allerdings schon "Dragon's Crown" von Vanillaware.

Weitere Informationen erfahrt Ihr auf der offiziellen Website http://de.playstation.com/psvitasystem/

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