Review

MotorStorm RC

Entwickler: Evolution Games | Plattform: PlayStation 3 / PlayStation Vita | E Genre: Funracer | USK: 0

 Mensch, was hatten wir mit „MicroMachines“ für einen Spaß – damals, auf dem Amiga 500, lang‘ ist‘s her. Wir lachten, strahlten als Sieger, zankten als Verlierer und konnten lange Zeit nicht die Finger von den virtuellen Spielzeugautos lassen. Ist es nun, nach all den Jahren, überraschenderweise die MotorStorm-Reihe, die mit dem Namenszusatz RC, stehend für Remote Control – besser bekannt als Funkfernsteuerung - das unverbrauchte Spielzeuggefühl wieder einfängt und ähnlich fesselt?

Nur noch ein Versuch, versprochen!

„MotorStorm RC“ hat mit seinen schwergewichtigen Brüdern wenig gemein, was vor allem jene interessieren dürfte, die mit der Marke bislang nicht so richtig warm wurden. Während der Fuhrpark noch recht serientypisch vom Monstertruck, über Buggy bis hin zum Muscle Car acht Klassen mit insgesamt 24 ferngesteuerten Fahrzeugen füllt, sind die in vier Kategorien einsortierten Rennpisten lediglich thematisch an die Vorgänger angelehnt. Die verschiedenen Wüsten-, Schnee-, Dschungel- und apokalyptischen Rundkurse erinnern in Aufbau und Umfang passenderweise an die guten alten Carrera-Rennbahnen, in deren Kürze nicht nur die Würze liegt, sondern auch die Notwendigkeit, sie fehlerfrei zu beherrschen – zumal die verschiedenen Untergründe zusätzlich für teils rutschigen Anspruch sorgen.

Bereits ab der ersten von 64 Herausforderungen zeigt sich die KI als motivierende Konkurrenz, die dem Spieler auf der Rennstrecke wenig schenkt, außer dem Ehrgeiz, sie in der nächsten Kurve zu kassieren und die Freude, wenn man sie im Staub stehengelassen hat. Dabei handelt die gegnerische KI stets fair und ist erfreulicherweise frei von jedem Gummibandverhalten. Hier kann sich so manch ein Vollpreis-Racer ein Vorbild nehmen!

Der Einzelspielermodus fesselt ein paar überaus kurzweilige Stunden und präsentiert sich neben dem ordentlichen Streckenangebot auch spielerisch abwechslungsreich: Im Rennen erkämpft man sich gegen seine Rivalen den Platz an der Spitze, im Zeitangriff gilt es, die vorgegebene Zeit zu schlagen, bei den Rally-Events müssen in einem Zeitfenster zehn Fahrzeuge überholt werden und bei den Drift-Strecken (die mir schon bei meiner ersten Begegnung bei „Need for Speed – Underground“ keinen Spaß machten und die, zu meinem Glück, hier nur vier Mal vorkommen) Punkte geholt werden.

Niemand! Niemand nennt mich eine feige Sau!

Hat man alle Einzelspielerherausforderungen gemeistert, appelliert das Spiel am Menüpunkt „Boxenmauer“ mit lustigen Provokationen an unser Ehrgefühl - „Spieler X hat Dich auf Strecke Y zermalmt“. Soll man das und ähnliche Sprüche auf sich sitzen lassen? Vorsicht: Suchtpotenzial! Man möchte fast meinen, dass es besser ist, in den nächsten Stunden etwas Dringendes vor zu haben, denn die Genugtuung, es Freunden und anderen Spieler aus den Weiten des PlayStation Networks zu zeigen, ist groß, macht Laune und sorgt dafür, dass der Spielspaßmotor von „MotorStorm RC“ immer wieder gestartet wird. Das Tolle dabei ist, dass neben der eigenen Bestzeit auch die des menschlichen Kontrahenten als Geisterlinie angezeigt wird.

Wertvolle Mehrspieler-Punkte haben die Entwickler allerdings leider deswegen verschenkt, weil man mit seinen Freunden lediglich auf der PS3  und auch nur im Splitscreen um die Wette fahren kann. Eine Spritztour via Internet ist nicht möglich, ebenso wenig, ein Rennen zwischen PS3 und Vita auszutragen. Schade, dass hier Potenzial auf der Strecke liegen blieb.

Alles im Grip?

Die voreingestellte Steuerung von „MotorStorm RC“ ist dank Einsatz beider Analogsticks originell, da sie sehr an die Funkfernsteuerung von Modellautos erinnert, aber eine gewisse Präzision vermissen lässt – kein Problem, denn die Steuerung lässt sich auf beiden Systemen, sowohl auf der PS3 als auch auf der Vita, lobenswerterweise frei einstellen.

Optisch kann sich „Motorstorm RC“ auf beiden Systemen sehen lassen. Zwar bietet die PS3-Version hier und da nochmals mehr Details, die jedoch zumindest bei den Dschungelstrecken die Übersicht behindern können. Apropos Übersicht, der Spieler hat per Knopfdruck die Wahl zwischen vier Kameraperspektiven, von denen ich das sogenannte Luftbild stets bevorzuge, da dort die Sichtverhältnisse am besten sind. Akustisch hätte ich mir etwas mehr Vielfalt gewünscht. Die Fahrzeuge klingen quasi alle gleich, obwohl man schnellere Autos gerne mit leistungsfähigem Benzine-Sound hätte unterscheiden können. Und auch die eingängige Musik entpuppt sich recht bald als monoton.

Trailer

Benny

Fazit

Alle Achtung, was man hier für knapp 6 Euro geboten bekommt: Spaßige Funracer-Stunden auf abwechslungsreichen Rennstrecken, diverse Vehikel und die Möglichkeit, gegen die Bestleistungen anderer anzutreten. Einzig schade ist nur, dass es an Mehrspieleroptionen mangelt und man in dem Punkt dem Klassiker „MicroMachines“ hinterher fährt und neben der gelungenen Optik die Soundkulisse etwas monoton wirkt. Nichtsdestotrotz ist „MotorStorm RC“ für jeden virtuellen Rennfahrer ein Blick wert, zumal man für den wirklich günstigen Preis sowohl die PlayStation Vita als auch die PlayStation 3-Version erhält.

Wertung: 8.1

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Sony Computer Entertainment für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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