Review

Lone Survivor

Genre: Survival / Psycholgie | Plattform: PC / Mac | Freigegeben ab: keine Kennzeichnung

Im Halbdunkel taste ich nach dem Regler für den Gasherd und lösche die Flamme. Von meiner Mahlzeit ist zwar kaum etwas zu sehen, weil ich die Batterien meiner Taschenlampe schonen will, aber es duftet verführerisch. Während ich meine Zähne in den mit frischen Früchten verfeinerten Pudding versenke, erscheinen mir die zurückliegenden Stunden wie ein Traum. Oder mehr ein Alptraum, aus dunklen Korridoren, bevölkert von diesen entfernt an Menschen erinnernden DINGERN...

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei Lone Survivor um ein Überlebenszenario. Während der Einführungssequenz wird einem aber sofort klar, was dieses Spiel von den großen Vorbildern wie Silent Hill, Resident Evil und Co deutlich abhebt: Die optische Gestaltung. Lone Survivor wirkt mit seinen wunderschön atmosphärischen, gepixelten Umgebungen, als wenn es ursprünglich für das Super Nintendo entwickelt worden wäre. Mal abgesehen von einer zeitlosen Ästhetik hat diese Grafik noch einen weiteren Vorteil: Einfachheit. Das gefällt vor allem, wenn es darum geht, wichtige Objekte vom Hintergrund zu unterscheiden. In 3D-Spielen ist man sich da nicht immer so ganz sicher und probiert lieber einmal mehr.

Auch der Sound kann sich hören lassen. Wenn man einer der unzähligen Grusel-Gestalten begegnet, weiß man meist schon, wo sie sind, ohne sie gesehen zu haben. Wer seinen Stereoboxen Aufmerksamkeit schenkt, merkt z.B. nach Durschreiten einer Tür, dass sich von rechts schlurfende und stampfende Schritte nähern. Zeit, seine Optionen abzuwägen. Hat man hierbei vielleicht einen Fehler gemacht und wurde von einem Monster angefallen, macht sich der Gesundheitszustand nicht nur durch ein pulsierendes Rot des Spiels bemerkbar, sondern auch durch lautes Pochen des Adrenalin-geschüttelten Herzens. Der Rest der Geräusche hilft weiterhin dabei die Atmosphäre zu vertiefen, sei es bloß der Schalter vom Gasherd oder der Schlitten der Pistole beim Nachladen.

Musikalisch erinnert Lone Survivor offensichtlich an sein Vorbild Silent Hill. Beide besitzen eine große Bandbreite, angepasst an die jeweilige Stimmung. Im Startbildschirm wird man von melancholischer aber nichtsdestotrotz rockiger Musik begrüßt, die sich bei Spielstart mit drei kurzen, prägnanten Klaviernoten verabschiedet. Diese Vielseitigkeit erzeugt ein schönes Wechselspiel der Gefühle: Während die brütenden Pads der monsterverseuchten Korridore meine Stimmung dämpfen, kann es sein, dass mir im nächsten Flur jazzige Lounge-Musik entgegenflutet. Somit weicht meine Angespanntheit einer fast euphorischen Neugier.

Kommen wir zum Gameplay und erstem Kritikpunkten. Während Lone Survivors konservative Gameplay-Elemente gut funktionieren, wie das Schleichen und Schiessen, sind andere etwas durchsetzt. Z.B. der Adventure-Teil, der sich um das Ausprobieren und Kombinieren von Objekten dreht. Manche Entscheidungen in diesem Bereich stießen mir sehr sauer auf. Nicht, weil sie grundsätzlich schlecht sind, sondern ich die Logik nicht nachvollziehen konnte und ich mich sogar so weit aus dem Fenster lehne zu sagen, dass hier nicht ausreichend nachgedacht wurde. Gleichzeitig kann ich sagen, dass diese Unzulänglichkeiten eher einem kleinen Wurm im restlichen Apfel gleichen. Wenn man drum herum arbeitet, ist der Rest genießbar. Außerdem geht wenig über die Freude, erfolgreich an Monstern vorbei zu neuen Orten geschlichen zu sein.

Dies ist auch eine der großen Stärken von Lone Survivor: Mit der Zeit wird es immer besser. Je mehr man entdeckt, je mehr andere Lebewesen man trifft, desto mehr stellt sich eine große Befriedigung ein. Der Gipfel dieses Gefühls dürfte die Möglichkeit sein, neues Leben in die Wohnung innerhalb des Spiels einkehren zu lassen. Wenige Dinge haben mich in einem Spiel so emotional gemacht. Denn alles hat zwei Seiten.

Trailer

Bene

Fazit

Wer Survival Horror mag, wird hiermit genötigt, zuzuschlagen. Es ist eine Freude zu sehen, dass eine kleine Indie-Produktion, über vier Jahre hinweg entwickelt, einem Vollpreisspiel in so wenig nachstehen kann. Gleichzeitig weiß ich aber auch von anderen Indie-Spielen in derselben Preisklasse, dass da für das Geld noch mehr geht. Trotzdem freue ich mich, mit gerade mal 10€ einen so vielversprechenden Spieleentwickler unterstützen zu können. Mehr Liebe zum Detail habe ich nämlich selten gesehen.

Wertung: Kaufempfehlung


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