Musiktipp

Kraków Loves Adana - Interview

Genre: Indie/Pop-Rock | VÖ: 24. Feb 2012 | Produziert von Clouds Hill Studio

Am 5. April 2012 wurde ich freundlicherweise von der Indie Rock-Band Kraków Loves Adana aus Freiburg zu ihrem abschließenden Konzert im Clouds Hill Studio (hier in Hamburg) eingeladen. Es folgen nun die Eindrücke des Abends und auf das neue Album gehe ich auch ein.

Das Konzert

Als sogenannter "Special Guest" spielte Allie seine Lieder für uns Besucher runter. Ein scheinbar recht introvertierter Kerl, der mit Effekt-Geräten, seiner Akustik-Gitarre und schüchternem Gesang ein eigentlich recht stimmiges Konzept vorstellte, auch wenn sich hier meine Begeisterung, wie so ziemlich bei allen Singer/Songwriter-Alleingängen, in Grenzen hielt. Als es sich nach und nach alle dann auf dem Boden gemütlich gemacht hatten, trat auch langsam eine wohlige Atmosphäre auf.

Aufgrund des Publikums hatte ich ja bereits angefangen, meine Entscheidung, die Lederjacke nicht anzuziehen, schon beinahe bereut. Überall um mich herum sah man enge Röhrenjeans, Seitenscheitel, große Brillen und Lederjacken - eindeutig ein Haufen überzeugter Indie-Hörer. Als das Duo von Kraków Loves Adana dann aber mit ihrem Programm loslegte, standen plötzlich wieder alle und die Temperatur im Raum nahm drastisch zu. Plötzlich habe ich die Lederjacke nicht mehr so vermisst und mich immerhin mit einem Club-Mate unter den Klischees eingereiht.

Ganz so gewohnt bin ich es ja nicht, dass Bands im Ton-Studio auftreten, aber ich muss gestehen, das hat so seine Vorzüge. Hervorragend abgemischter Sound wurde dann durch die hochwertigen Komponenten des Studios getrieben, beste Bedingung um den Songs ganz nahe zu kommen.

Das Kerzenlicht trug die düstere Atmosphäre, welche die Lieder konsequent aufbauten. Schon ihr Debüt-Album erzeugte durch die sehr tiefe und starke Stimme der Sängerin und Bassistin Deniz sowie der eher zurückhaltenden, verspielten Instrumente eine nachdenkliche und verträumte Stimmung, welche die neuen Songs auf dem Nachfolger-Album nicht nur fortsetzen, sondern auch noch einmal um einiges vertiefen. Zusätzlich versuchte die Sängerin zwischen den Liedern mit obligatorischen lockeren Sprüchen ein wenig Sympathie aufzubauen. Das war meiner Meinung nach garnicht unbedingt notwendig, denn selbst trotz der kühlen, etwas distanzieren Art der Musik, kamen mir die Musiker nicht abgehoben vor.

Nicht selten verließen Kraków Loves Adana die typischen Popsong-Strukturen und probierten in ihrem Programm einiges durch, ohne dabei wirklich etwas großes Neues zu finden. Selbst wenn nicht jeder Song dann unbedingt "bis zu Ende gedacht" wirkte, so erschienen dafür die Songs kurzweilig, trotz des etwas langsameren Tempos. Ein sehr ausgewählter Minimalismus, bei dem jedes kleine Solo oder eingestreuter Effekt einen besonderen Fokus bekam.

Darin reiht sich auch das bodenständige und nicht gerade verschnörkelte, sondern eher bewusste Schlagzeug der Band ein, später auf Platte allerdings nicht mehr ganz so eindringlich, wie auf der Bühne. Der Gitarrist Robert machte auch nicht nur optisch eine gute Figur: Ich mag behaupten, seine Melodien und Akkorde auf der Gitarre projizierten eine schüchterne und nachdenkliche Art auf den ganzen Raum. Zusätzlich tauchten hier und da Effekte auf, nur um zu zeigen, dass man musikalisch gar nicht so richtig festgelegt ist. Auch wenn jedes Mitglied seinen Teil dazu beiträgt, ich schätze der Hauptgrund für mich, immer wieder mal durch die Lieder zu gehen, bleibt wohl Deniz eher ungewöhnliche Stimme, die genau meinen Geschmack trifft.

Die damit einhergehenden Texte passten auch gut: Es wurden eher die kleinen Dinge und Probleme des Alltags behandelt und dem Publikum in aller Ruhe poetisch näher gebracht und man fing selbst schon an, sich in Gedanken zu verlieren. Die Harmonie zwischen allen Elementen funktioniert, das Pärchen lebt eben einfach ihr Programm, ohne dass es befürchten muss, durch Romantik im Kitsch auszuarten.

http://vimeo.com/34807911

Das neue Album: Interview

Zuhause habe ich jetzt noch mal die Songs über die Ostertage auf mich einwirken lassen. Freundlicherweise war die Band so lieb, mir meine aller erste Schallplatte in die Hand zu drücken, welche ich dann dank Download-Codes auch zuhause hören kann.

Insgesamt zehn Song erwarten Euch auf der Schallplatte oder CD. Mit "Avantgarde" startet das Album eigentlich schon genau richtig, hier bekommt man schnell ein Bild von dem, was auf einen zukommt. "Silver Screen" ist ebenso sehr empfehlenswert und sollte beim Reinhören nicht übersehen werden. Schon ein richtiges Highlight und sogar relativ eingängig. "Sit In The Movies And Cry" war mir ja bereits auf dem Konzert ein besonderer Titel, der auch auf dem Album immer noch sehr schön funktioniert. Einige Titel verzichten dann doch schon einmal auf Gesang, fügen sich dennoch gut in den Rest des Albums ein. Der etwas "rauere" Titel "On/Off" setzt sich dann noch einmal ein wenig ab.

Weiterführende Links

Piet

Fazit

Wem kann ich denn jetzt dieses Album empfehlen? Also mir gefällt es ja. Genau richtig wirkt es gerade abends, wenn ich an etwas arbeite. Klar: Weder finden wir hier die großen Ohrwürmer, noch ist es unglaublich mitreißend. Es ist unaufdringlich, nachdenklich und verbraucht sich dementsprechend weniger mit der Zeit. Eine gute Begleitung für den Sonntag-Morgen, wenn die Lebensfreude noch nicht ganz erwacht ist und man noch einige Gedanken des Vorabends im Kopf herumschwirren hat. Ansonsten ist es auch die Sorte Musik, die man gut schweigend mit dem Partner im Bett oder auf dem Sofa genießen kann.

Alle Rechte vorbehalten.
Die Copyrights von Ton- und Bildmaterial liegen bei den jeweiligen Verleihern, Verlagen, Labels, Studios und Künstlern.