Review

Ico & Shadow of the Colossus HD (Teil 1)

Genre: Action-Adventure | entwickelt von Sony Computer Entertainment

„Ico“. „Shadow of the Colossus“. Zwei legendäre PS2-Titel, die mir immer wieder von allen Seiten wärmstens empfohlen wurden. Und als die Playsi 2 tatsächlich im letzten Moment ihrer Generation Einzug in mein Wohnzimmer hielt, legte ich „Ico“ als erstes ein. Ich spürte sie gleich, die andersartige Atmosphäre eines entschleunigten Abenteuers, zauberhaft und unspielbar, leider. Das starke Kantenflimmern machte der Begeisterung einen dicken Strich durch die Rechnung und so legte ich „Ico“ beiseite. Nun aber, Sony sei Dank, konnte ich mit der HD-Collection das Abenteuer ein zweites Mal wagen und endlich restlos begeistert werden?

Teil 1: Ico

Ico, ein kleiner Junge, dem als Zeichen seines Fluchs zwei Hörner aus seinem Kopf ragen, wird von Reitern seines Dorfes in eine verlassene Burg gebracht und in einem steinernen Käfig eingeschlossen. Nachdem sie sich aufrichtig für ihre Tat bei ihm entschuldigt haben und Ico seinem Schicksal überlassen, versucht der kleine Junge sich aus dem Sarkophag zu befreien, was ihm auch schließlich gelingt – das Spiel beginnt.

Sofort war ich beruhigt, denn das Kantenflimmern war Glitzern von gestern und die feinen Steintexturen kamen voll zur Geltung. Ich konnte endlich die Burg erkunden, ohne Augenschmerzen zu bekommen und schon bald, in einem Käfig, hoch oben in einem hohen Turm, ein junges Mädchen entdecken. Yorda, stets in helles Licht gehüllt, entpuppte sich neben dem eigentlichen Gameplay als echtes Highlight, nachdem ich sie aus ihrem Käfig befreit habe. Sie wirkt so zerbrechlich, in ihrem Auftreten so bezaubernd schüchtern und obwohl sie eine völlig andere Sprache spricht, hört sie auf mein Kommando, bei mir zu bleiben. Das ist auch nötig, damit wir beide die riesige Burg verlassen können, da mysteriöse Schattenwesen immer wieder versuchen, Yorda in die Finsternis zu zerren. Dabei ist es stets meine Aufgabe, Yorda zu beschützen, den Schattenwesen eins mit einem Knüppel überzuziehen, wenn sie Yorda belästigen (das Kampfsystem ist herrlich simpel und somit aufs Wesentliche reduziert) oder sie unter Zeitdruck an ihrer Hand zu nehmen, damit wir schneller durch die Areale gelangen. Auch muss ich ihr dabei helfen, Wände zu erklimmen und tiefe Abgründe zu überwinden. Ico zeigt sich als wahrer Gentleman.

Eine märchenhafte Kulisse

Auch wenn der Innenausstatter einen ziemlich leeren Schauplatz hinterlassen hat, denn in der leeren Burg stehen hin und wieder lediglich ein paar Speichersofas herum, punktet „Ico“ mit einer herrlichen Architektur. Schwindelerregende Höhen, tolle Schauplätze, wie eine intakte Windmühle oder diverse Türme, müssen in bester Uncharted-Klettermanier erkundet werden, die absolut sauber von der Hand geht. Hin und wieder müssen kleinere Rätsel gelöst und Schalter umgelegt werden, um die Gebiete für Yorda passierbar zu machen. Es ist nicht nur dem Charaktergespann Yorda und Ico zu verdanken, dass „Ico“ so lebendig wirkt. Auch akustisch wird minimalistisch sehr viel geboten, was dem Spiel eine gewisse Seele einhaucht.

Das prasselnde Feuer der vielen Fackeln klingt gemütlich, der tosende Wind auf den hohen Burgmauern frisch und auch das Vogelgezwitscher unter freiem Himmel sehr belebend und in ihrer Gesamtheit nichtsdestotrotz sehr dezent. Hinzu gesellt sich ein stets passender, teils fröhlicher, teils melancholischer Soundtrack, mit unter anderem mittelalterlichen Klängen, der sich niemals zu aufdringlich ins kitschige Rampenlicht rückt.

Benny

Fazit

„Ico“ ist ein herrliches Abenteuer, gefährlich, spannend, in seiner Einsamkeit dennoch lebendig und in gewisser Weise stressfrei. Es gibt viele architektonische Sehenswürdigkeiten und eine Soundkulisse, die hin und wieder zum Entspannen einlädt. Mich hat „Ico“ derartig gefesselt, dass ich nach dem ersten, gut sechsstündigen Durchgang einen zweiten und gar einen dritten dranhing. Mit Letzterem, den ich unter zwei Stunden abschloss, habe ich mir sogar eine Platintrophäe verdient, und das, obwohl mir Trophäen generell nicht so viel bedeuten.

Wertung: 9.1

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