Musiktipp

Enter The Primates - We Are The Apokalypse

Genre: Metalcore Post-Hardcore Electronic | Label: BerlINSANITY

Da kommt man nach einem langen Arbeitstag nach Hause und ganz unerwartet steckt ein Umschlag im Briefkasten. "Was mag das bloß sein?", frage ich mich. Beim Auspacken springt mir eine CD entgegen - ah, Newcomer Band wünscht sich ein Review. Der optische Ersteindruck fällt nicht so umwerfend aus, vielleicht bin ich als Grafik-Designer ein wenig zu kritisch, aber das Cover-Artwork suggeriert mir nicht, dass ich hier eine Metal-Scheibe in der Hand halte. Das Bandlogo sieht aus wie ein Graffiti-Tag, der Comic-Affe scheint auch mehr aus dem Street-Art Bereich zu kommen, doch die poetische Note mit der Schreibschrift im Hintergrund in Verbindung mit starken Großbuchstaben und Photoshop-Schlagschatten mischen hier ungewöhnliches ineinander und verwirren zunächst. ABER...

Die Apokalypse aus Lautsprechern

Kaum sitze ich entspannt auf dem Sofa, ballert es mir schon entgegen. Während ich mich durch die Band-Vorstellung lese, wirken sämtliche Elemente auf mich ein, welche mir als Metalcore & etc.-Hörer bereits bekannt sind und mir auf Anhieb auch schon gefallen. Nun, das hört sich schon mal um einiges besser an, als das Cover zu Beginn vermuten ließ. Die Jungs haben Bock, kein Zweifel. Während "Enslaved" dem Album einen stimmigen guten Auftakt gibt und auch schon erahnen lässt, wohin die Reise geht. Der cleane Gesang nach dem Growlen, die obligatorischen Breakdowns, die verspielten elektronischen Einwürfe und die harten Passagen... die Platte ist halt als richtiges Partymaterial positioniert.

Viele Alben klingen ja leider so, als würde ein und das selbe Lied in verschiedenen Versionen durchlaufen, was man ihnen auf "We Are The Apokalypse" nicht vorwerfen kann - die Collage-artige Weise, ihr Album aus den vielen Einflüssen zusammenzustellen schafft immerhin eine abwechslungsreiche Scheibe, in der zum Beispiel in "The First Cut" sogar Frauen-Gesang seinen Einzug findet, was mir sehr gut gefällt - davon hätte ich gerne viel, viel mehr gehabt. "Outsourced" und "Regret" entpuppen sich dann nach mehreren Hören dank recht schöner Gesangmelodien auch als recht hörenswert. Ansonsten wollen bei mir einfach keine Ohrwürmer entstehen, viele Gesangs-Melodien wollen nicht so richtig hängen bleiben und man ist, sobald die CD vorbei ist dann nicht mehr unbedingt noch damit beschäftigt.

Die Vorbilder der Band geben ihnen aber das Meiste vor: Ob "Attack Attack!", oder "His Statue Falls" - hier versucht die Band, alle Elemente ihrer Lieblingsbands zu vereinen und daraus etwas Neues zu schaffen und zu übertreffen. Doch diese Bands haben die Messlatten sehr hoch angesetzt - so ist es natürlich schwierig, und auf dem ganzen Album vermisse ich einfach noch den einen oder anderen Hit und den besonderen Aufhänger, der DEN "Enter the Primates"-Sound ausmacht. Der Gesang, die Growls mögen alle in Ordnung sein und die Produktion klingt auch solide (gerade für ihr Budget) und holen einiges an Druck aus meinen lieben Standlautsprechern, aber überfliegen tun die Jungs aus Stuttgart ihre Vorbilder nunmal nicht - denn dafür fehlt es an großen Überraschungen.

Hörprobe

Linktipps

Piet

Fazit

Vielleicht ist ihr Mix und Versuch, alle Elemente, die gerade modern sind unter einen Hut zu bringen, ein zu ehrgeiziges Unterfangen für den Anfang. Aber sie sind jung und motiviert, da ist für die Zukunft wohl noch einiges mehr drin, wenn man auf dem nächsten Album ein wenig mehr eigensinniges wagt und noch den einen großen Hit landet. Den scheinbar recht humorvollen und sympathischen Jungs könnte ich es ja so eigentlich schon zutrauen.

Und wer vom Electro-Core immer noch nicht genug bekommt oder so etwas noch gar nicht kennt, oder einfach neuen unbekannten Bands aus Deutschland mal eine Chance geben möchte, kann dem kurzweiligen 30 Minuten langen Album hier eine Chance geben.

Vielen Dank an BerlINSANITY für das Rezensionsexemplar.

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