Review

Die Reise des chinesischen Trommlers (2007)

Produktionsland: CHN | Genre: Drama | Länge: 113 min | Altersfreigabe: FSK 12

Sid (Jaycee Chan) ist selbstverliebt, egoistisch und großspurig – kurz, ein verzogener Bursche und pädagogisches Opfer turbulenter Familienverhältnisse: Sein Vater (Tony Leung Ka-Fai) ist ein skrupelloser Gangsterboss, seine Mutter in früher Kindheit davongelaufen, weil sie es nicht länger mit ihrem Ehemann aushielt. Es grenzt schon beinahe an ein Wunder, dass der junge Hobbyschlagzeuger nicht schon längst in ernste Schwierigkeiten gelangte. Schließlich nahm das Drama aber seinen längst überfälligen Anfang, als Stephen Ma, „Geschäftspartner“ von Sids Vater und ein noch größerer Fisch in Hong-Kongs Unterwelt, Sid in seiner Badewanne erwischt, zusammen mit Stephens Freundin. Stephen ist kein Unmensch. Er verlangt nicht gleich nach dem Leben des jungen Draufgängers, nein, ihm reichen schon die beiden Hände. Sids Vater schickt seinen Sohn in die Sicherheit der ländlichen Idylle Taiwans und liefert Stephen Ma die Hände eines anderen. In Taiwan angekommen, plagt Sid die Langeweile, Tag ein, Tag aus, bis er eines Morgens die Klänge chinesischer Trommeln aus den Bergen hallen hört und von ihnen unweigerlich angezogen wird.

In der Ruhe liegt Kung Fu

Wie sagte Meister Ip (Ip Man) einst? Nicht nur im Kampf liegt Kung Fu, sondern in jeder Tätigkeit, die mit viel Hingabe zur geistigen Reife führt. Recht hat er und es ist ein langer Prozess, den Sid bei den chinesischen Trommlern durchlebt. Eh er das Trommeln lernt, soll er lernen, nicht zu trommeln, denn sein Talent könnte ihn überheblich machen, von seinem eigentlichen Ziel nur entfernen - in Einklang mit sich selbst und der Umwelt zu gelangen. Jeder der Trommler hat eine bestimmte Aufgabe zu verrichten, für Sid heißt es nun, Steine zu schleppen. Eine scheinbar sinnlose Aufgabe, eine von vielen Hürden, über die er stolpert und bei seinen Mitmenschen aneckt.

Wie der Vater, nicht der Sohn

Sämtliche Darsteller spielen ihre Rollen durch die Bank überzeugend, aber insbesondere der Sohn von Kung-Fu-Legende Jackie Chan, der seinem Vater äußerlich sehr ähnelt, hat mich überrascht: Er versucht erst gar nicht, in die MartialArts-Fußstapfen seines Vaters zu treten und macht sein eigenes Ding. Alle Achtung! Ich hoffe, dass wir weitere Werke dieser Art mit ihm sehen werden.

Benny

Fazit

Wer sich auf „Die Reise des chinesischen Trommlers" begibt, erlebt ein optisches wie akustisches Meisterwerk, das Regisseur Kenneth Bi abgeliefert hat. Es ist ein Film, der den Geist des Kung Fu lebt, ohne jeden Zweikampf. Der Kampf findet in Sid selbst statt. Während die turbulenten Szenen in Hong Kong noch unruhig sind, beruhigt sich die Kamera langsam mit Sids inneren Fortschritten und liefert zeitlosschöne Bilder aus den Bergen Taiwans. Originell! Die musikalische Untermalung ist eindrucksvoll und entspannt den Zuschauer mit tollen, teils hypnotischen Klängen. Für mich ein Highlight des Asiakinos und einer der besten Filme meiner Sammlung.

Wertung: 10

PS: Wann können wir mit den amerikanischen Trommlern rechnen?

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