Review

Chronicle - Wozu bist du fähig? (2012)

Produktionsland: UK/USA | Genre: Drama/Science-Fiction/Thriller | FSK 16

Ein Mensch kapselt sich mittels einer Kameralinse von der Gesellschaft ab. Er hat keine Freunde, sein Vater ist Alkoholiker, seine Mutter sterbenskrank, in der Schule ist er das schwächste Glied. Doch vieles verändert sich als Andrew eines Abends von seinem Cousin Matt auf eine Party mitgeschleppt wird. Ein Rave in einer Lagerhalle soll es sein, doch das wirklich Interessante, geschieht außerhalb der tanzenden Menge. Denn als Steve, der beliebteste Junge der Schule auf Andrew trifft und sie gemeinsam mit Matt eine Höhle erkunden, passiert Ungeahntes... Kurze Zeit nach der Erkundung der Höhle fällt den Dreien etwas auf: Ihre Konzentration bemächtigt sie dazu Dinge, inklusive sich selbst, schweben zu lassen. Sie können Objekte mittels Augenkontakt manipulieren und sie sind beinahe resistent gegen äusserliche Einwirkungen, wie beispielsweise Schläge. Nach diesem Vorfall werden Andrew, Steve und Matt die besten Freunde, sie nutzen ihre Kräfte, um sich zu amüsieren und haben Spaß daran sich weiter zu entwickeln. Alles könnte so idyllisch sein, doch als Andrews Mutter plötzlich im Sterben liegt und ihr alkoholabhängiger Ehemann nicht mehr dazu in der Lage ist, die Medikamente zu bezahlen, trifft Andrew eine fatale Entscheidung, die das Leben aller Beteiligten verändern wird.

Ernsthaft, noch mehr Superhelden?!

"Chronicle" ist für mich eines des bisherigen Highlights 2012! Angefangen mit dem Stil der Wackel-Kamera, die Andrew die meiste Zeit in dem Film dank seiner Kräfte neben sich her schweben lässt und somit weniger anstrengend ausfällt, über die sympathischen und unaufgesetzten Charaktere bis hin zu der spaßig-dramatischen Story, hat mich Chronicle mit seiner Intensität und Atmosphäre förmlich gepackt und für die nächsten 84 Minuten nicht mehr losgelassen! Das Filmdebüt des Duos Max Landis (Story und Regie) und Josh Trank (Story) hebt sich dabei sehr von gewöhnlichen Superhelden-Filmen ab. Die Kräfte sind weniger ein Bestandteil des Filmes, als die Charaktere selbst. Das ermöglicht einem als Zuschauer weitaus mehr Gefühl und Spannung aus diesem Film zu ziehen, als es beispielsweise bei einem X-Men- oder Spider-Man-Film der Fall ist. Generell erscheint es mir so, als wären die Schreiber des Filmes weniger von dem Vorbild amerikanischer Comicfiguren ausgegangen, sondern eher von dem asiatischen Pendant der Mangas.

Denn vieles erinnert stark an dem Film Akira (1988) von Katsuhiro Otomo. Hier hat man zum Einen die Thematik der Freundschaft, die in Chronicle eine ähnliche Wendung nimmt, wie in Otomos Zeichentrick-Meisterwerk. Zum Anderen die Charakter-Entwicklung von Andrew, die der von Tetsuo in Akira beinahe gleicht. Doch das fällt keinesfalls negativ ins Gewicht. Ganz im Gegenteil: Der neue Blick auf das Helden-Kino wirkt frisch, unverbraucht und wird in Zukunft hoffentlich mit weiteren Filmen wie Chronicle bedient werden.

Trailer

Christopher

Superheldenfilm? Nicht- Superheldenfilm? Drama?

Egal als was man Chronicle bezeichnet, es kann nicht falsch sein! Denn Chronicle ist alles davon und eines ist er gewiss noch: Sehenswert! Leider muss ich sagen, dass ich mit Chronicle keinen Hit an den Kinokassen erwarte, auch wenn er dies verdient hätte. Zu schlecht wurde der Film beworben und die Konkurrenz durch "The Avengers", der neusten Comicverfilmung von Marvel, ist ganz einfach zu stark. Wer jedoch im Monat auch gerne mal zwei oder drei mal ins Kino geht, der wird mit Chronicle nichts falsch machen!

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