Kolumne

Lebewohl, Wii

Piets Trennung von der Nintendo Wii

Gestern habe ich meine Wii in ihren Original-Karton verpackt. Ich muss gestehen, es fühlte sich schon etwas merkwürdig an, wo wir beide doch einige Zeit miteinander verbracht haben. Irgendwie ist es doch immer so mit der materiellen Trennung:  Man überlegt lange hin und her, glaubt, sich entschieden zu haben, bis man im letzten Moment doch wieder zu zögern beginnt.

Einige Spieler bauen eine große Zuneigung zu ihren Konsolen auf und ja... ich gehöre wohl auch ein wenig dazu. Wenn ich so zurückdenke, wie ich damals, als armer Schüler, meine SNES Konsole verkaufen musste (und alle Spiele auf dem Flohmarkt nicht einmal wirklich viel Geld einbrachte), nur um das Nintendo 64 zu finanzieren, welches es dann am Ende sogar kaum wert gewesen ist. Es fühlt sich schon ein wenig traurig an, aber manchmal muss man auch "Auf Wiedersehen!" sagen können.

Ein kleiner Rückblick

Die Wii ist eine sonderbare Konsole, angekommen ist sie mit einem großen Knall, mitsamt dazugehörigen Hype. Damals, im Jahre 2006 klang alles einfach viel zu gut: Revolutionäre Steuerung, neue Spielkonzepte und die Virtual Konsole, welche uns die alten Spiele wieder zurückbringen sollte. Und das alles zu einem scheinbar günstigen Preis (verglichen mit den HD Konsolen damals). Heute weiß ich ja, was aus der ganzen Geschichte geworden ist: Es gab Überraschungen und leider auch Enttäuschungen.

Ein Highlight war wohl definitiv die Metroid Trilogie, welche alle drei Metroid Prime Teile auf eine Disc, mitsamt verbesserter Steuerung, mit sich brachte. Für SNES-Fans hielt die Wii einige 2D-Jump n Runs wie New Super Mario Bros., Kirby's Epic Yarn, das hervor ragende Donkey Kong Returns und auch das aber mehr umstrittene Metroid: Other M parat. Nintendo Fans kamen jetzt generell gut weg, auch wenn zwei schöne Spiele-Reihen wie StarFox und F-Zero dann leider keine Nachfolger auf der Wii bekommen haben. Dafür haben Super Paper Mario und das von der Presse vergötterte Mario Galaxy hier auch wieder Abhilfe geschaffen. Zelda Fans haben mit Twilight Princess und Skyward Sword wahrscheinlich auch ihren Hunger stillen können und N64 Fans bekamen ein Wiedersehen mit Sin & Punishment. Das obligatorische Mario Kart fand auch wieder auf die Konsole, auch wenn ich persönlich da etwas enttäuscht wurde.

Aber nicht nur Nintendo selbst hat die Wii versorgt: Silent Hill Shattered Memories, Xenoblade Chronicles und die Portierung von Resident Evil 4 waren einige gute 3rd-Partytitel. Zwar deutlich in der Unterzahl, aber seit dem N64 ist man das auf Nintendo Konsolen so inzwischen leider gewohnt. Was jetzt allgemein einen großen Zuspruch gefunden hatte, waren ja die Spiele Wii Sports und Wii Fit, mit denen ich als alt eingesessener Videospiel-Fan nur bedingt und zeitweise etwas anfangen konnte.

Die Hardware-Problematik

Was die eigentliche Hardware angeht, so bin ich ja auch eher einer, der sich von der schwachen Leistung nicht hat abschrecken lassen. Wenn ich da etwas bemängeln sollte, würde ich eher auf die unnötige Entscheidung von Nintendo eingehen, den Motion+ Controller erst Jahre nach dem Release der Konsole nachzuliefern. Nur die wenigsten Spiele nutzen den außergewöhnlichen Controller genau so, wie er damals 2006 angepriesen wurde. Meiner Meinung nach nutzen die wenigsten Spiele den Controller so sinnvoll, dass man überhaupt das Gefühl hat, die Bewegungs-Sesonsoren wären ein echter Mehrwert - da bleibt oft nur die Cursor Funktion, welche wirklich mal Vorteile zum klassischen Gamepad bietet. Das hat alles auf Apples iPhone und iPad besser funktioniert: Dadurch, dass den 3rd Party-Entwickeln da mehr mit fertig bereitgestellten Komponenten die Einbindung der Touch-Gesten und Bewegungssensoren leichter gefallen ist, sieht man im Appstore mehr innovative Steuerungskonzepte, welche im Schnitt auch solider laufen.

Neben der Steuerung muss ich auch gestehen, haben mir noch ein paar andere Kleinigkeiten zu schaffen gemacht. Da wäre zum Beispiel das DVD-Laufwerk: Die Wii gehört eigentlich zu den leisesten Geräten, doch sobald eine Disc eingelegt wird, machen die Lesegeräusche und das Grundrauschen das Spielen wieder zu einem kleineren Vergnügen. Das ist vielleicht Meckern auf hohem Niveau, wenn aber Virtual Console-Spiele und WiiWare-Titel (discfrei) laufen, merkt man den Unterschied.

Auch schade, was aus dem Betriebsystem geworden ist. Anfangs dachte ich, dass das Channel-Konzept total aufgehen würde und wir unsere Wiis mit interessanten Programmen bestücken würden. Mp3-Player, DVDs gucken, Messenger, Gamerscore, Freundesliste mit Infos, was sie spielen etc., haben niemals in die Konsole gefunden. Stattdessen musste man sich vor allem hier in Deutschland mit dem Photo-Channel und Meinungskanal begnügen... für die Allgemeinheit sicherlich ausreichend, aber der enthusiastische Spieler empfindet die Möglichkeiten des OS heute schlicht als veraltet, gerade im Vergleich mit anderen Konsolen oder Steam. Der 3DS zeigt aber wenigstens, dass Nintendo in dem Punkt schon Fortschritte macht.

Die unerfüllten Wünsche

Das mag jetzt alles vielleicht sehr kritisch klingen, aber insgesamt habe ich einige sehr gute Stunden mit meiner Wii verbracht. Die Konsole bot neben dem wirtschaftlichen Erfolg auf jeden Fall sehr interessante neue Erfahrungen für die Spieler und in einigen Punkten wird sie den Markt mehr beeinflusst haben, als z.B. der GameCube. Gerade als Nintendo-Fan hat man eigentlich fast alles, was man sich gewünscht hat - außer vielleicht Nintendos Mut, neue Franchise auszuprobieren. Im Gegesatz haben ja selbst Sony es geschafft, neue Spielereihen wie z.B. Uncharted einzuführen, und die sind ja nicht gerade als große Erfinder bekannt. Und sieht man Nintendo vielleicht als das Disney der Videospielbranche, kann man beim Blick auf die Filmindustrie auch bei Disney erkennen, dass sie sich mehr trauen, als immer nur mit Donald & Co zu arbeiten. Denn so gut mir auch z.B. ein Zelda gefällt: Seit 1994 laufe ich jetzt schon regelmäßig mit Link durch Dungeons, hole den speziellen Gegenstand und stelle mich dem Endgegner. Das mag mittlerweile perfektioniert und aufgefrischt worden sein, aber ich traue Nintendo eigentlich auch zu, uns mit neuen Figuren und Geschichten zu überraschen. Kid Icarus auf dem 3DS zeigt aktuell mal wieder, dass sie sich nur so weit trauen, wie irgendwann schon mal ein Name etabliert wurde. Die GameCube-Zeiten sind doch irgendwie vorbei: Nintendo hat heute wesentlich mehr Geld zur Verfügung und Experimente sollten da eigentlich schon drin sein. Allein schon, weil sie sich mal auf die Suche nach dem "neuen" Miyamoto machen sollten, der ja auch irgendwann in Rente gehen wird.

Und wie bewerten wir das ganze?

Also insgesamt doch ein recht gutes Paket, mit einigen Schwächen. Da mag auch jeder eine andere Meinung letztendlich dazu haben, bei uns intern gibt es z.B. den Benny, für den die Wii fast so gut ist, wie seine All-Time Lieblingskonsole Sega Dreamcast, und der eigentlich bisher nicht als großer Nintendo-Fan galt. Der Bene dagegen schaltet seine Wii so gut wie nie an, aufgrund mangelnder Spiele, da er nicht wirklich viel mit den Nintendo eigenen Spielen anzufangen weiß. Ich würde die Wii jetzt nicht wirklich vor dem SNES oder N64 sehen, aber das liegt wohl dann zum großen Teil einfach daran, dass ich selber die alten Konsolen weit aus höher bewerte, als die meisten Spieler heutzutage. Nennt mich einen verfluchten Nostalgiker, aber das macht mich halt aus - und dadurch, dass man ja NES, SNES und N64 Titel mit dem ausgezeichneten Classic Controller spielen kann, hat die Wii ja auch für mich hier spätestens einen absoluten Mehrwert.
Piet

Fazit

Warum genau muss sie jetzt eigentlich weg? Würde ich die Wii empfehlen müssen, würde ich es tun. Würde ich sie bewerten müssen, auf einer Skala zwischen 1 und 10, würde ich immer noch 8.5/10 vergeben, also genug, um sie besitzen zu müssen. Nun, wie neulich in einem Blog beschrieben, sammeln sich langsam unnötig viele Geräte unter dem TV. Und manchmal ist es so, dass man, wenn man die Freiheit hat, alles zu tun, am Ende leider irgendwie nichts macht. Die ausufernde Auswahl an Spielen zuhause führt bei mir dazu, dass ich viele Titel nicht einmal mehr durchspiele, weil ich von der Zeit her einfach nicht nachkomme. Eine Reduktion zwingt mich wieder dazu, mich mehr auf einzelne Titel zu konzentrieren. Außerdem mache ich Platz für die nächste Nintendo Konsole, die ja bald ansteht und komplett kompatibel mit Wii Spielen sein soll, das heißt, am Ende ist eigentlich nichts verloren und statt Staub zu fangen, wird meine geschätzte Wii nun die Abende meines Freundes gestalten. Und der beschwert und meckert mit Sicherheit nicht so viel wie ich!

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