Musiktipp

Eskimo Callboy - Bury Me In (Fucking) Vegas

Albumtitel: Bury Me In Vegas | Genre: Elektrocore/ Metalcore | Label: Redfield Records

Endlich ist es passiert! Ich habe so lange darauf gewartet und nun ist es endlich passiert! Nein, ich berichte hier nicht über meinen ersten Samenerguss.

Es geht hier vielmehr um das vor Kurzem erschienene Debütalbum der Castrop Rauxeler Band Eskimo Callboy.

Deren musikalische Ergüsse sorgten bereits 2010 für Aufsehen in der Metalcore-Szene, als die  sechsköpfige Band mit ihrer EP ans Tageslicht trat. Metalcore, Deathcore, Trancecore, Electrocore, ein wenig Autotune-Gesang und ein Eimer voll aneinander gereihter Sexwitze. Als wäre das nicht genug, gab es obendrein noch ein Cover eines Katy Perry Songs.

Metal hörende Kritiker und kritische Metaller schlugen die Hände über den Köpfen zusammen: Dies war nicht mehr die Musik, die sie kannten...

„Zu elektrisch, zu stumpfsinnig, zu albern“, hieß es.

Doch ich vertrat genau das Gegenteil dieser Meinung. Individuell, humorvoll und weit entfernt vom Einheitsbrei, hatte Eskimo Callboy von der ersten Sekunde an ihren ganz eigenen Stil.

Do the headbang dance

„Tanzbarer Porno-Metal, mit einem Schuss psychedelischem Glam-Rock.“ So nennt die Band humorvoll das Genre, dem sie sich selbst zuordnen. Und selbst wenn man nicht weiß, was das zu bedeuten hat, dann weiß man es spätestens, wenn das Album im CD-Player rotiert und die ersten Takte des Songs „Bury me in Vegas“ das Wohnzimmer in Schutt und Asche legen. Hier ist der Otto-Normal-Metaller überfordert. Soll man kräftig mit dem Kopf nicken oder spontan lostanzen? Das bleibt jedem sich selbst überlassen, doch spätestens sobald der Titel „Is anyone Up“ durch die Lautsprecher tönt, will man nur noch auf und ab springen und mit Bier um sich schmeißen. Das kleine Metal ABC ist definitiv gelernt: Drums, Bass, Gitarre, Gesang - alles stimmt. Eskimo Callboy muss sich vor keinem anderen Genre-Vertreter verstecken. Doch wie steht es um den Inhalt?

Sex, Drugs and Electrocore

Wie bereits erwähnt, hat Eskimo Callboy einen großen Hang zum Thema Sex, aber auch das Thema Party kommt nicht zu kurz. Songs wie „Wonderbra Boulevard"; „Legendary Sleeping Assault“ oder „Muffin Purper-Gurk“ sind ebenso tanzbar wie Club tauglich und machen beim Hören sofort eine gute Stimmung. Auch hier unterscheidet sich die Musik der Band von anderen Bands des Genres.

Während ähnliche Vertreter des Electrocores wie Enter Shikari oder Abandon All Ships etwas ernster an ihre Musik herantreten, so setzt Eskimo Callboy klar gute Laune, Spaß und Tanzbarkeit als Priorität über den Inhalt der Texte. Das macht das Album aus, es ist unbeschwert, schnell und man hat noch etwas zu lachen. Doch da sind wir gerade an dem magischen Wort vorbei gehuscht: „Schnell.“

Alles hat ein Ende bloß Repeat hat keins

Das mit 11 Songs versehene Album hat enorm viel Tempo. So viel Tempo, dass man bereits nach knappen 32 Minuten das Ende des Albums erreicht hat. Das ist etwas schade, aber für 10€ für die Digitale Version und knapp 12€ für die CD ist das gar nicht mal so schlimm. Zum Glück hat man ja bei Bedarf die Wiederholungstaste des CD-Spielers. Und bei den Ohrwürmern, die da teilweise auf dem Album lauern, wird diese sehr häufig betätigt werden.

Hörprobe

Christopher

Fazit

Bunt, humorvoll, laut und so ziemlich alles das, was Metal normalerweise nicht ist: das ist für mich „Bury Me In Vegas.“ Wer offen in seiner Musikauswahl ist oder einfach nicht verbittert versucht Genres in eine Schublade zu stopfen, der wird an diesem Album sicherlich seine helle Freude haben. Ich zumindest habe diese und werde es mir aufgrund dessen nun, laut iTunes, zum 41ten mal anhören. Für jeden Zögernden: Rein hören lohnt sich!

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