Musiktipp

Deichkind - Befehle von ganz unten

Albumtitel: Befehl von ganz unten | Genre: Elektro/ Hip Hop | Label: Universal

Hamburger Elektro-Hop gegen Gesellschaftsprobleme

Deichkinds neueste kreative Schöpfung mit dem Titel „Befehl von ganz unten“ ist seit einem knappen Monat in den Läden erhältlich und verkauft sich dort mit Erfolg.

Sogar Platz 2 konnten die Hamburger Elektro Hip-Hopper mit ihrem neuestem Album in den Charts erklimmen. Auch wenn dieser Platz nicht lange gehalten werden konnte, muss man anmerken, dass Deichkind bisher mit noch keinem Album so nah an der Spitze waren. Im Jahre 2008 schafften sie es mit „Arbeit Nervt!“ auf Platz 13 der Album Charts und das ist bis „Befehl Von Ganz Unten“ auch der Höhepunkt in der gesamten Bestandszeit der Band gewesen, die bereits seit dem Ende der 90er Jahre besteht.

Bereits seit dem Oktober 2011 wurde man von Deichkind berieselt. Auf Facebook und in Internetforen brannte der „Posten“ Button, als die erste Single Auskopplung „Illegale Fans“ ins Internet gelangte und mit dem Songtext, in dem es um das illegale Sharen und Downloaden von Songs ging, direkt auf Anklang und Zuspruch traf.

Als Gelegenheitsfan elektrischer Klänge und kreativ debiler Songtexte kam auch ich nicht drum herum, mir das Machwerk der aus Hamburg Bergedorf stammenden Spaßmacher anzuhören.

Auch wenn mir bereits im Vorfeld einige die Sache vermiesen wollten...

Der Vergleich mit der Berliner Raptruppe „Die Atzen“ ging mir nach häufigen Nennungen schon ziemlich gegen den Strich, doch ich lasse mir ja durch die Meinungen anderer nicht meinen Musikgeschmack madig machen. Das wäre ja gelacht!

Schon das Album Cover von „Befehl von Ganz Unten“ suggeriert durch ein dreieckiges spaciges Gebilde einen höheren Elektro-Anteil und mit dieser Suggestion liegt man genau richtig, denn Deichkind hat sich noch etwas mehr in die Gefilde Tanzbarer Elektrobeats, à la Luftbahn vom „Arbeit Nervt!“ Album begeben. Da lassen Songs wie „Der Mond“, „Leider geil“ oder „Egolution“ keinen Fuß auf dem Boden. Was neben dem Elektropart definitiv nicht zu kurz kommt ist die Aussage.

Das gesamte Album trieft beinahe vor Sinn, den man schön unsinnig und lustig präsentiert. Man kommt nicht drum herum bei „Bück dich hoch!“, „Pferd aus Glas“, „Egolution“ oder das bereits bekannte „Illegale Fans“ lachend den Kopf zu schütteln und bei genauer Betrachtung in einen Spiegel der Gesellschaft zu blicken.

Mit „Befehl von ganz unten“ und „Der Strahl“ kommt ein wenig das Retro-Gefühl auf, denn nicht nur ein wenig erinnern die Songs an Dauerbrenner wie „Remmi Demmi“ oder „Limit“, die auch noch heute viel und gerne in Clubs gespielt werden. Leider kann man diese nicht in direkte Konkurrenz setzen, da eben in diesem Falle "alt" einfach besser ist. Das neue Album nimmt dadurch aber überhaupt keinen Schaden: die Songs sind gut und haben ihre Daseinsberechtigung, welche mir jedoch für den Song „99 Bierkanister“ fehlt.

Jedes mal auf's neue muss ich bei diesem Song die Skip Taste meines CD-Players in Anspruch nehmen. Der Stressfaktor dieses Songs ist mir ganz einfach zu hoch. Mit Geräuschen, die dem Nolan Film Inception entsprungen sein könnten, brummt mir bereits nach zwei Minuten der Schädel und das bereits bei dem ersten Song nach dem Intro. Für mich ein schwerer Einstieg in das Album.

Zum Glück vergisst man dieses kleine Manko sehr schnell und begnügt sich einfach mit den restlichen 11 Songs des normalen Albums bzw. 13 Songs der Deluxe Edition.

Christopher

Fazit

Für mich ist „Befehl von ganz unten“ ein großartiger Nachfolger zu „Arbeit Nervt!“. Erfrischend, ehrlich, abwechslungs-und geistreich wissen die Bergedorfer zu Unterhalten. Dieses Album wird definitiv noch einige Zeit in meinem Heim rotieren.

Zum Abschluss würde ich den Leuten von Deichkind gerne noch persönlich danken: „Danke dafür, dass Ihr nicht so seid wie die Atzen!“

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