Review

The Legend of Zelda: The Minish Cap

Entwickler: Capcom | Genre: Action-Adventure | Erhältlich für GB Advanced (2004), Nintendo 3DS

So richtig viel hatten die Erstkäufer auf dem 3DS bisher ja leider nicht zum Spielen - was kein wirklich neues Problem ist, insofern man sich eine Videospielkonsole gleich zum Release gekauft hat . Jetzt nähert sich das Jahr allerdings zum Ende und neben einer erneuten Reise durch das legendäre "Ocarina of Time" und ein erfreutes Wiedersehen mit Super Mario in seinem neuesten 3D-Abenteuer schenkt Nintendo den Erstkäufern mit seinem Botschafter-Programm jeweils  10 NES- und 10 GBA-Spiele, darunter auch einen kleinen, besonderen Schatz: Die Mütze der Wunder.

Och, schon wieder Zelda?

Im Sommer haben einige von Euch wohl noch mal den N64-Klassiker "Ocarina of Time" gespielt, jetzt gerade im Winter wahrscheinlich sogar den neusten Zelda-Teil "Skyward Sword". Wieso jetzt also gleich ins nächste Abenteuer von Link stürzen? Als großer Super Nintendo-Fan und "A Link to the Past"-Liebhaber gebe ich Euch da gleich schon einen Grund: Es ist ein 2D-Zelda! Der Gameboy Advanced hat ohnehin damals dafür gesorgt, dass den 16-Bit Spielern das Herz aufgegangen ist: Da wurden indirekt Klassiker wie Mario Kart, F-Zero, Super Metroid und weitere neu aufgelegt und fortgesetzt... allein die Pixelgrafiken flogen einem plötzlich in 32-Bit und im Widescreen um die Ohren. Außerdem ist dieses Zelda mit seinen sechs Dungeons außergewöhnlich kurz und lässt sich gut dazwischen schieben.

Moment mal, ... Capcom?

Ja richtig, wir wissen zwar alle, dass die Zelda-Reihe normalerweise von Nintendo entwickelt wird, doch sobald man das Spiel startet überrascht uns das Capcom Logo. Oder auch nicht, denn Capcom hatte bereits in der Vergangenheit oft seine Finger mit im Spiel und wirkte bei einigen mobilen Abenteuern von Link (oder wie bei uns der Redaktion auch liebevoll "Peter" genannt) mit. So z.B. bei "Four Swords" oder auch schon bei der Portierung von "A Link to the Past" auf den GBA.

Link trifft auf die Borger

Jeder Zelda-Teil bringt natürlich immer seinen eigenen Kniff mit: Sei es das Zeitreisen oder das Wandern zwischen einer Licht- und Schattenwelt. In diesem Teil darf Link stellenweise auf Käfergröße schrumpfen und sich mit den Vor- und Nachteilen einer solchen Größe rumschlagen, was grafisch auch wunderschön gelöst wurde und teilweise an die Perspektive aus Studio Ghiblis "Arrietty und die wundersame Welt der Borger" erinnert. Und plötzlich muss man aufpassen, dass man von riesigen Regentropfen nicht erschlagen wird... faszinierend! Das Hin- und Herschrumpfen kann auf Dauer zwar manchmal etwas umständlich ausfallen, aber die darauf aufbauenden Rätsel sind schon wahrlich ein Vergnügen und auch nicht immer ganz leicht. Leveldesign und Rätsel hatten übrigens mal wieder hier den klaren Vorrang: So wundert Euch nicht, wenn ich den Punkt "Story" einfach mal gleich weglasse.

Ein weiterer Punkt, der hier etwas anders ausfällt, als bei anderen Zeldas, sind wohl die Werkzeuge: Wer hier Links Standard-Set aus Schwert, Schild, Boomerang und Enterhaken erwartet, wird sich plötzlich wundern, wenn er plötzlich mit einer Art "Staubsauger" in der Hand dem Dungeon-Boss gegenüber tritt. Hier sind viele schöne neue Ideen hinein geflossen, was mich persönlich sehr gefreut hat. Macht Euch auf einige Überraschungen bereit!

Wunderschön anzuschauen und anzuhören!

Grafisch und  soundtechnisch wurde versucht, das bestmögliche aus dem kleinen GBA herauszuholen. Da ich selber als Grafiker bereits Pixelgrafiken erstellt habe, sehe ich das zwar mit anderen Augen und messe dem wohl mehr Bedeutung bei, als der durchschnittlicher Spieler, lasse mich davon aber nicht abhalten, hier den wunderschönen Stil zu loben. So wurden Elemente aus "The Wind Waker" und "A Link to the Past" gekonnt vermischt und geben Euch nicht nur von Anfang das Gefühl, es mit einem Zelda zu tun zu haben, es bringt noch zusätzlich eine eigene Handschrift mit, so dass das Spiel nicht nach Recycling ausschaut. Und wenn ich mir die vielen kleinen Animationen so anschaue (wenn Link in seinem Haus übernachtet, ist verdammt süß, wie er seine Enten-Mütze morgens dann liebevoll weckt!), so fange ich plötzlich an mich zu erinnern, wieso wir damals mit den Einschränkungen so zufrieden waren: Keine Pixelzählerei, es wirkte einfach alles irgendwie noch handgemacht.

Die Musiker waren im übrigen mal wieder damit beschäftigt uns die Songs, die wir schon ewig kennen (und die jeder Fan mitsummen kann) wieder einmal neu aufzulegen und an die Möglichkeiten des GBAs anzupassen. Und sie haben es auch tatsächlich geschafft, die bekannten Melodien neu zu verpacken, so dass man sich wieder darüber freuen kann. Was so an neuen Kompositionen dazu gekommen ist, wie z.B. die Musik vom "Minish Village", ist herzerwärmend und wunderschön. Sofern man generell keine Abneigungen gegen Chiptunes hat, sollte sich eigentlich jeder mit der Musik anfreunden können.

Ich könnte jetzt weiter ins Detail gehen, aber manchmal muss man es einfach selber hören:

Link zur offiziellen Website. Wunderschön verspielt, einfach mal besuchen!

Trailer

Piet

Fazit

Die "The Legend of Zelda"-Reihe spaltet schon seit den 90ern die Fans der Serie: Einige kommen mit dem Link aus der Vogelperspektive nicht so sonderlich gut klar und spielen lieber die 3D-Abenteuer, für andere wiederum bleibt "A Link to the Past" das beste Zelda-Spiel. Die größte Auswirkung der Perspektive liegt dabei ja eigentlich auf die Gestaltung der Puzzles im Spiel. Ich für meinen Teil mag beides und behandeln sie auch wie unterschiedliche Spiele, wobei "The Minish Cap" für mich ein ganz großes Alleinstellungsmerkmal hat: Die Optik! Nicht nur die Artworks begeistern mich, die unzähligen Pixelgrafiken und die liebevollen Animationen feiern für mich eine Ära, die wir so in Zukunft wohl nicht mehr erleben werden, wahrscheinlich auch, weil Spieler wie ich mit den Pixelspielen aufgewachsen sind. Und die kurze aber knackige Spielzeit finde ich gut... wenn ich etwas kritisiere, dann wohl nur das oft umständliche Handling, welches in der Natur des Gameboys liegt: Hier hätte ich mir durchaus zwei Knöpfe mehr gewünscht, um bei der Waffen- und Item-Auswahl nicht ständig ins Menü gehen zu müssen.

Also, wer von Euch sich jetzt Zelda-Fan schimpft und diesen Teil verpasst hat, der sollte sich jetzt mal ans Herz fassen und das Spiel endlich nachholen. Ich bin selber spät dran und froh, dass ich es jetzt nachgeholt habe.

Wertung: 8.0

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