Musiktipp

Moonface - Organ Music Not Vibraphone [...]

Albumtitel: Organ Music Not Vibraphone Like I'd Hoped | Genre: Electronic/Indie

Er ist zurück! Spencer Krug, mein persönlicher Lieblingssongwriter und wohl größter Musikworkoholic, den es gibt. An insgesamt sechs Projekten hat er mitgewirkt, die wichtigsten sind definitiv die beiden Bands "Wolf Parade" (die er zusammen mit seinem Kumpel Dan Boeckner gegründet hat) sowie seine eigene vierköpfige Band "Sunset Rubdown". Dieses Jahr hätte ich eigentlich ein neues Album von "Sunset Rubdown" erwartet, immerhin konnte man sich die letzten Jahre absolut drauf verlassen, dass nach einem "Wolf Parade"-Album im darauf folgenden Jahr eines von Spencers eigener Band erscheint und auch Dan Boeckner eine Platte von seiner Zweimann-Band "Handsome Furs" veröffentlicht, die er mit seiner Frau ins Leben gerufen hat. Tatsächlich haben Dan Boeckner und Ehefrau Alexei Perry diese Tradition fortgeführt, Spence aber ging ins Kino und ließ sich anderweitig inspirieren.

Tron Legacy

Letztes Jahr schrieb Spencer Krug einen Song für sein aller neuestes Soloprojekt, das er auf "Moonface" taufte. Entstanden ist ein 20-münitiger Song, der sehr minimalistisch ausfiel und stark von den Klängen einer Marimba geprägt war, schließlich heißt der Song auch "Marimba And The Shit Drums", der sich nach und nach entwickelt und den Hörer zu einer akustischen Fantasiereise einlädt. Da der Song nur als Vinyl oder MP3-Download käuflich zu erwerben war (klare Kaufempfehlung), hatte ich daran gezweifelt, dass Spence dieses Projekt irgendwie fortführen würde, aber da habe ich mich glücklicherweise getäuscht!

Jedenfalls ging Spence eines Tages ins Kino, wollte sich "Tron Legacy" anschauen und wurde vom Soundtrack, den "Daft Punk" geschrieben hat, regelrecht beeindruckt, wobei man sagen muss, dass er vorher überhaupt nichts vom Soundtrack wusste und es wieder einmal der Zufall war, durch den er zu neuen Songs fand, die ihm gefallen - so Spencer Krug in einem längeren Interview. Anfangs sollte die spätere 5-Song-starke Scheibe rein ohne Gesang auskommen, zum Glück entschied sich Spencer Krug gegen dieses Vorhaben, denn nicht nur seine einzigartige Stimme wäre ein großer Verlust, auch lyrisch hätten wir viel verpasst. Selbstverständlich präsentieren sich die Songtexte wieder einmal wortgewandt, tiefgründig, emotional, so wie man es vom Frontmann von "Sunset Rubdown" erwartet - hier aber ohne die typisch leiernden "eh's" und "oh's", Fans werden sofort wissen, was ich meine.

Überraschend elektronisch

Dan Boeckner hat bei seinen "Handsome Furs"-Alben gezeigt, dass er sehr gerne elektronische Elemente einbindet, Tendenz stark steigend. Dass nun auch Spencer Krug zur Elektronik greift, hätte man sich vorher niemals zu träumen gewagt, vermutlich wegen der Befürchtung, dass es seinen ganz eigenen Stil zerstören könnte. Aber Tron sei Dank, hat er diesen Versuch gewagt, der mehr als gelungen ist. Elektronisch stark geprägt sind alle Songs, je nach Titel ist die Elektronik dominanter als beim anderen, dem Song Nr. 3, "The Whale Song (Instead Of A Kiss)", merkt man auch definitiv die Inspiration durch Daft Punk an, er beginnt düster, hypnotisch, es dauert fast eine Minute, bis Spencer überhaupt seinen Gesang unaufdringlich, gar trocken beginnt. Sehr schön, wie sich der Song in seinen 8 Minuten entwickelt. Es scheint sowieso ein Stilelement beim Soloprojekt "Moonface" zu sein, lange Songs auf die Beine zu stellen. Zwar enthält die Platte keinen 20-müntigen Track, wie die erste EP, dafür ist jedes Stück mindestens 6:30 Minuten lang, soll heißen, trotz weniger Titel bekommt man reichlich Musik für sein Geld.

Während "The Whale Song Instead Of A Kiss" wegen seiner unkonventionellen Art doch den einen oder anderen Durchgang benötigen kann, um Gefallen zu finden, zeigen sich die anderen Songs sehr variantenreich, im Falle von "Return To The Violence Of The Ocean Floor" erwartet einem sogar ein an sich Spencer-typischer Song, relativ eingängig, mit einer stimmigen Grundmelodie und starkem Gesang, begleitet von einer Orgel, die zum Ende hin die Oberhand gewinnt. Mein Highlight ist "Fast Peter", wie der Name schon erahnen lässt, ein ziemlich schneller Song, der klanglich fröhlichste Titel, mit stellenweise Gesang im Duett.

Benny

Fazit

Gute Musik zeichnet sich meiner Meinung nach dahingehend aus, dass sich die Songs einem nicht sofort in ihrer Gesamtheit erschließen, sondern man sich nach und nach reinhören muss, um die musikalische Vielfalt zu erfassen. Bei Spencer Krug stehe ich, sehr zu meiner Freude, immer wieder vor dieser Prozedur.

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