Review

Arrietty - Die wundersame Welt der Borger

Originaltitel: Karigurashi no Arietti | Genre: Fantasy | Studio: Studio Ghibli | FSK: ab 0 Jahren

Vergangener Sonntag, 10:00 Uhr im Programmkino Metropolis (Hamburg): Daniel und ich lauschen der Einleitung der Mitarbeiter vom Japanischen Filmfest Hamburg in Deutsch wie auch in Japanisch. Es sind einige japanische Familien gekommen, um den neuesten Streich des Studio Ghibli und das Regiedebüt von Hoffnungsträger Hiromasa Yonebashi Arrietty - Die wundersame Welt der Borger anzusehen. Kurz darauf gehen die Lichter aus und nach einigen Minuten gibt es keinen gefühlten Unterschied mehr zwischen Kindern und Erwachsenen, bloß noch Besucher, die mit großen Augen in die kleine Welt der Borger schauen.

Zusammen mit dem zwölfjährigen Jungen Sho begeben wir uns zum Ort des Geschehens, dem Haus seiner Großmutter, wo er die kommenden Tage bis zu seiner lebenswichtigen Herzoperation verbringen soll. Abgelegen und uhrig europäisch eingerichtet ist dieses Haus der Ort an dem außergewöhnliche Dinge vorgehen. Das fällt auch Sho auf, als er bei seiner Ankunft meint, ein winziges Mädchen im Gras gesehen zu haben.

Während sich Sho zweifelnd ins Haus begibt, folgen wir Arrietty, dem Mädchen, durch ein Lüftungsgitter unter das Fundament des Anwesens. Hier im Schutze der Dunkelheit und dicker Ziegel befindet sich das Zuhause ihrer Familie. Arrietty und ihre Eltern sind Borger, welche von dem leben, was sie den Menschen heimlich entwenden können und nicht vermisst wird. Das kann ein Papiertaschentuch sein, etwas Garn oder ein Zuckerstück. Genau das soll auch am Abend dieses Tages geschehen; zusammen mit ihrem Vater begibt sich Arrietty auf ihr erstes Borgen. Vorerst verläuft die abenteuerliche Exkursion in die Welt der gigantischen Tassen und Möbel auch gut, bis sie von Sho gesehen wird und das Unternehmen abgebrochen werden muss. Die kleine Familie hat zwar vor Sho nichts zu befürchten aber trotzdem wird es ab dieser Stelle dramatisch, denn er ist nicht der Einzige, der schonmal einen Borger gesehen hat.

Trailer

Mit Arrietty liefert Studio Ghibli wieder einen soliden Film ab, der, abgesehen von einer gewissen Romantisierung, keine Handlungslöcher aufweißt und zu jeder Zeit nachvollziehbar ist. Die großen Stärken spielt der Film aus, wenn man die Perspektive der kleinen Menschen teilt und Spaß an den außergewöhnlichen Eindrücken hat. Da wäre z.B. die ganze Einrichtung des Borgerhauses, mit dem von handtuchgroßen Postkarten übersähten und von einer Salzstreuerlampe erhellten Flur. Das Handwerkszeug des Vaters, bestehend aus doppelseitigem Klebeband und zu Enterhaken umfunktionierten Angelhaken. Mal ganz abgesehen von der Katze des Hauses, gegen die ein Tiger wie ein Neugeborenes wirkt.

Schwierig wird es dagegen, wenn die normalen Vorgänge gezeigt werden und das Drama zwischen den Menschen Hauptaugenmerk ist. Es ist auch alles solide animiert und hat offensichtlich den Ghibli-Charme, leidet aber unter dem großen Kontrast zu der fantastischen Seite des Films. Da diese Sequenzen aber nur einen kleinen Teil ausmachen und der Film ganz zu Ende nocheinmal schön anzieht, kann man die weniger spannenden Stellen gut verschmerzen.

Von der Musik her ist Arrietty - Die wundersame Welt der Borger auch eher klein angelegt. Vielleicht liegt das an der Thematik, vielleicht auch am Augenmerk auf das sehr junge Publikum. Die dramatischsten Stellen des Film sind vergleichsweise sanft untermalt und dürften den ganz kleinen Zuschauern helfen nicht vollends von den Eindrücken überrannt zu werden. Immerhin wirken die Menschen auf der Leinwand tatsächlich wie Riesen.

Bene

Fazit

Der deutsche Kinostart ist offiziell ab dem 02.06.2011. Wo ihr den Film sehen könnt, erfahrt ihr z.B. im Moviepilot Kino-Finder.

Wertung: 8.0

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