Review

The Witcher 2 - Assassins of Kings

Entwickler: CD Projekt RED | Genre: Rollenspiel Plattformen: PC/X-Box 360 | USK: ab 16 Jahre

Mann, wie hatte mich Geralt von Riva anno dazumal mit "The Witcher" begeistert. Eine erfrischend erwachsene Spielwelt lud mich ein, tief in ihr zu versinken. Die einfallsreiche Geschichte fesselte mich, wie es im Rollenspielgenre zuletzt nur "Baldurs Gate" und "Knights of the old Republic" gelang. Die Entscheidungsmöglichkeiten waren dank der weitreichenden Konsequenzen ganz klar denen von Bioware überlegen, zumal die zahlreichen Nebenmissionen sowohl qualitativ als auch kreativ nicht vernachlässigt wurden. Nebenbei bemerkt, sogar das später erscheinende "Dragon Age", das auf den Erwachsenenzug aufsprang, konnte "The Witcher" in dieser Disziplin nicht schlagen. Auch die Darstellung sexueller Interaktionen wurde ästhetisch mit Tarotkarten umgesetzt, auf denen sich die verschiedenen attraktiven Damen rekelten. Kleinere Schwächen habe ich dankbar für ein großartiges Spielerlebnis verziehen, sei es eine fummelige Steuerung, die Tatsache, dass man keinen Helden erschaffen konnte (der Hauptcharakter ist aber im Gegenzug cool wie kein anderer) und die Auswahl der Waffen auf zwei unterschiedliche Schwerttypen mehr als stark begrenzt war.

Der Fluch des zweiten Teils?

Mit großen Erwartungen habe ich natürlich "The Witcher 2" entgegengefiebert und schließlich kam das Päckchen an und ich installierte nach langer Zeit mal wieder ein Spiel auf meinem PC, was aufgrund der Datenmenge doch etwas länger gedauert hat. Und da war er, der erste Eindruck, grafisch machte der Hexer große Fortschritte, dürfte glatt als Grafikreferenz durchgehen, wenngleich aufgrund von unsauberer Programmierung gigantische Hardwareanforderungen hinzunehmen sind. Während auf meinem PC "Crysis" problemlos mit hohen Details spielbar ist, so läuft "The Witcher 2" gerade einmal auf niedrigen Details, rucklig. Schade, denn obwohl die Grafik selbst auf niedrigen Details bereits einiges her macht und sich vielerorts super cool gescriptete Ereignisse beobachten lassen, so trüben Ruckeleinlagen den Spielspaß doch schon ziemlich. Wieso die Entwickler sich nicht mit weniger zufrieden gaben, immerhin sah der erste Teil bereits sehr gut aus, ist mir schleierhaft. Im Zeitalter, in dem Konsolen den Videospielmarkt dominieren und mittlerweile weniger Konsumenten ihre ganze Kohle in teure PC-Hardware stecken, halte ich diese Grafikmuskelspielchen für etwas sinnfrei.

Im Spielverlauf wurden meine Erwartungen weiter und weiter mit Füßen getreten. Nicht nur die Anzahl der Nebenquests sank, auch großartig inszenierte Konsequenzen aus den getroffenen Entscheidungen blieben aus. Die Städte wurden lächerlich klein, so kann man "Flotsam", die größte Stadt von "The Witcher 2", mit dem "Vorort von Wyzima" vergleichen. Eine so große Stadt wie "Wyzima" selbst sucht man vergebens. Entsprechend gering fallen Interaktionen mit NPC's aus. Nun ja, der Hauptaugenmerk wurde voll und ganz auf die Präsentation gelegt. Der Sex ist klasse choreographiert, Brüste werden, Gott sei Dank, schamlos gezeigt, ganz anders als bei "Dragon Age", wo sich die in sonderbare Unterwäsche gehüllten Helden emotionslos "lieben". Das Kampfsystem geht flotter von der Hand, erinnert an Mechaniken à la "Demon's Souls", wobei letztgenannter Titel ganz klar kämpferisch die Nase, wie Pinocchio so lang, weit vorn hat. Es können weit mehr Waffen benutzt werden, allerdings bleiben die einzig effektiven Gattungen weiterhin das Stahlschwert gegen Menschen und das Silberschwert gegen Kreaturen. Pluspunkte verdient sich der Hexer im zweiten Teil mit der Fülle an Ausrüstungsgegenständen, die mit Mutationen und anderen Utensilien aufgebessert werden können. Jedoch sind dies nur kleine Fortschritte, wenn man wiederum feststellen muss, dass die Gesamtspielzeit von 25 Stunden gegenüber des langen Vorgängers deutlich gesunken ist und die Haupthandlung immer mehr an Fahrt verliert. Beim Dialogsystem hat man leider bei "Mass Effect" abgeguckt, kurze Zusammenfassungen lassen erahnen, was Geralt antwortet. Leider nicht immer ganz eindeutig, weshalb man gelegentlich die falsche Antwort wählen könnte. Ach ja, bezüglich der erwachsenen Spielwelt, die ist geblieben, der Bogen wird aber überspannt. Worte wie "Penis" und "Arsch" führen die Charts des Vokabulariums klar an, fallen mitunter mehrmals in einem einzigen Satz. Die ach so "erwachsene" Gossensprache wirkt in dem Umfang stark aufgesetzt, denn mittelalterlich glaubwürdig. Entwarnung gibt es bei den Dialogen für den Wortwitz selbst, der ist nach wie vor vorhanden. Auch sind die vereinzelten Bosskämpfe spannend und überaus fordernd, wirklich hübsch anzusehen.

Trailer

Benny

Fazit

Einen Grafikblender, der nur auf niedrigen Details über den Monitor zuckelt, habe ich beim besten Willen nicht erwartet. Zeitweise kommt Spaß auf, insgesamt fehlte mir aber häufig das Durchhaltevermögen, mehrere Stunden am Stück zu spielen und mich schnellen Schrittes zum Finale durchzukämpfen. Weniger auf die Grafik, viel mehr auf die Story und die Nebenmissionen, die ein West-RPG nun einmal ausmachen, hätten sich die Entwickler konzentrieren sollen, dann wären Fans des ersten Teils wunschlos glücklich gewesen. Geralt bleibt bei seinem Ausflug ein Schatten seiner selbst.

Wertung: 7.6

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