Kolumne

Kinos schaffen sich selber ab

Kommentar

Der deutsche Michel schimpft seit Jahrzehnten kleinlaut über die Spritpreise. So hat er vor der längst vergangenen, nichtsdestotrotz zu erwartenden Überschreitung der 1,30 Euro/Liter-Marke angekündigt, den Wagen stehen zu lassen, sollte diese jemals überschritten werden. Und hat der Michel sein Wort gehalten? Nein, auch nicht, als die 1,60er-Marke um Ostern herum geknackt wurde.

Die Autos fuhren weiterhin, die Tanken waren nach wie vor überfüllt und die Ölkonzerne konnten sogar einen Rekordgewinn vermelden. Schlimm, diese Abhängigkeit, aber der innere Schweinehund wurde zu lange kugelrund gefüttert, dass man es ihm wirklich nicht übel nehmen kann, wenn er bei plötzlich drohender, sportlichen Betätigung abwehrend die Zähne fletscht. Hinzu kommt noch die mobile Notwendigkeit, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen/sichern. Ganz ohne Geld geht’s nicht, da nimmt man am Ende des Monats auch etwas weniger Netto auf dem Konto zähneknirschend in Kauf, um das Auto zu unterhalten.

Aber muss man in seiner Freizeit den ständig steigenden Kinopreisen ähnlich kleinbei geben? Gerade gestern, an einem trüben Sonntag haben wir (meine Frau und ich) uns vom Sofa aufgerafft, um “Fluch der Karibik 4″ im Kino zu sehen. Karten bestellten wir vorab, um uns gute Plätze zu sichern. Und weil der letzte Kinobesuch etwas zurück lag, habe ich an der Kasse naiv einen Zwanni gezückt, um die Tickets zu bezahlen, überzeugt davon, dass er für uns beide reichen müsste. Als der Kassierer dann die Gesamtsumme von 21,40 Euro laut und deutlich, ohne jede abzockende Regung aussprach, breitete sich ein mulmiges Gefühl in meiner Magengegend aus. 21,40 Euro Ich kramte die fehlenden Taler aus meinem Portemonnaie, musste die Summe jedoch echt erst einmal verdauen, vor allem, wenn man bedenkt, dass sogar die Bluray-Version bei Release mit 16,99 Euro ein ganzes Stück günstiger sein wird. Wir fuhren mit der Rolltreppe zu den Kinosälen hinauf und stellten uns bei “Kino 4″ an die Snackbar: Nacho-Classic-Menü, bestehend aus einer kleinen Portion Nachos und einer 0,75er-Coke, beworben mit einem Ersparnis von 10%. “Das macht 7,95 Euro”. Verdammt! Wieso habe ich meinen Rucksack vergessen, um ein paar Snacks ins Kino zu schmuggeln? Wie dem auch war, ich willigte ein und bezahlte. Was ist ein schon Film ohne etwas zum Snacken?! Und so standen unter’m Stich 29,35 horrende Euro gegenüber einem sehr unterhaltsamen Film, der wie jeder andere erdenkliche Streifen dem Preis nicht im geringsten gerecht wurde.

Deshalb steht der Entschluss für uns fest. “Fluch der Karibik 4″ war definitiv unser vorerstletzter Kinobesuch, sollten die Preise nicht wieder drastisch sinken. Dass die Nachos im Endeffekt pappig und kein Vergleich zu den guten Chio-Nachos aus dem Supermarkt waren, störte uns dann auch langsam nicht mehr länger, dafür allerdings der eine oder andere angekrochene Furz mit anonymer Adresse, wegen dem man die Luft anhalten musste, um nicht schließlich das Kotzen zu kriegen.

Tja, ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als der Kinobesuch 5,- DM kostete und auch daran, als bei der Euro-Umstellung der Preis 1:1 übernommen wurde. Bald darauf zogen die Kinos das erste Mal an. 6,50 Euro sollte daraufhin der Spaß kosten – noch im Bereich des Erträglichen. Dennoch sanken die Besucherzahlen – zu recht. Um aber den fehlenden Umsatz auszugleichen, stiegen die Preise weiter und weiter, ein Teufelskreis begann sich zu drehen. Erst wenn der letzte Kinobesucher diese Abzocke nicht mehr mitmachen würde, kämen die Kinobesitzer vielleicht auf die Idee, den Zuschauer mit einem attraktiven Angebot zu ködern, Trailer reichen da nicht mehr aus. Vor allem sollte dieser Schritt auch ganz im Interesse jedes einzelnen Kinobetreibers stehen. Man füllt die Säle nicht mit Gelegenheitsgästen, die sich im Jahr einen, vielleicht zwei Kinofilme gönnen. Die Leute müssen regelmäßig Lust aufs Kino bekommen, das gelingt wiederum nur mit fairen Preisen.

Um aus den eigenen vier Wänden herauszukommen, werden wir von nun an Essen gehen oder uns anderweitig unter Leuten amüsieren, den Kinobetreibern werfen wir nicht länger unverhältnismäßige Summen in den nimmersatten Rachen.

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